Wie lassen sich Jugendliche für das Thema Depression und psychische Gesundheit sensibilisieren? An der Montessori-Schule Inning setzt man dabei auf einen ungewöhnlichen, aber wirkungsvollen Ansatz: das interaktive Theaterprojekt „Icebreaker“. Ziel des Projekts ist es, frühzeitig aufzuklären, Warnsignale psychischer Erkrankungen erkennbar zu machen und Hemmschwellen im Umgang mit dem Thema Depression abzubauen.
Im Mittelpunkt steht ein Theaterstück, das Jugendliche nicht nur zuschauen lässt, sondern sie aktiv in das Geschehen einbindet. Das Publikum wird immer wieder aufgefordert, einzuschätzen, welche der dargestellten Figuren tatsächlich an einer Depression leiden und wo es sich um vorübergehende Stimmungstiefs handelt. Dadurch wird deutlich, wie komplex und oft schwer erkennbar psychische Erkrankungen sind.
„Das Besondere an ‚Icebreaker‘ ist, dass die Jugendlichen selbst ins Nachdenken kommen und Verantwortung für ihre Einschätzungen übernehmen“, erklärt Angela Guckenbiehl, Schulsozialarbeiterin an der Montessori-Schule Inning. „So entsteht ein offener Raum, um über psychische Gesundheit zu sprechen – ohne Tabus und ohne moralischen Zeigefinger.“
Neun Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe wirkten aktiv an der Inszenierung mit und erarbeiteten das Stück gemeinsam mit Theaterregisseur Sebastian Eilers. In kurzer Zeit setzten sie sich intensiv mit den Rollen und den inhaltlichen Fragestellungen auseinander. Die enge Interaktion zwischen Bühne und Publikum sorgte für eine hohe Aufmerksamkeit und ein spürbares Interesse am Thema.
„Prävention bedeutet für uns, Jugendliche zu stärken, bevor Probleme sich verfestigen“, so Guckenbiehl. „Die Schülerinnen und Schüler lernen, Warnsignale wahrzunehmen, ernst zu nehmen und darüber zu sprechen – bei anderen, aber auch bei sich selbst.“
An der Montessori-Schule Inning ist Präventionsarbeit ein fester Bestandteil des pädagogischen Konzepts. „Uns ist es wichtig, unsere Schülerinnen und Schüler ganzheitlich zu begleiten – dazu gehört auch der bewusste Umgang mit psychischer Gesundheit“, betont Kathrin Schweyer von der Schulleitung. „Das Theaterprojekt zeigt, wie wirkungsvoll Prävention im schulischen Alltag umgesetzt werden kann.“
Initiiert und mit Präventionsmitteln finanziert wurde das Projekt von der AOK Bayern unter der Schirmherrschaft der Bayerischen Kultusministerin Anna Stolz und der Bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach. „Icebreaker“ stieß bei Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern auf große Resonanz. Besonders die aktive Beteiligung der Jugendlichen trug dazu bei, Berührungsängste abzubauen.
Angela Guckenbiehl ist Schulsozialarbeiterin an der Montessori-Schule Inning. Sie erklärt, warum es gerade für Jugendliche so wichtig ist, über psychische Gesundheit zu sprechen: „Psychische Erkrankungen beginnen oft schleichend und bleiben lange unerkannt – besonders bei jungen Menschen. Viele wissen nicht, wie sich eine Depression äußern kann, oder trauen sich nicht, darüber zu sprechen. Prävention bedeutet für uns, frühzeitig aufzuklären und zu zeigen: Es ist in Ordnung, Hilfe anzunehmen.“