16.000 Arbeitsstunden. Kein Lohn, kein Auftrag – nur die Überzeugung, dass Großhadern eine Sporthalle braucht. So bauten Vereinsmitglieder des TSV Großhadern nach dem Zweiten Weltkrieg ihre zerbombte Halle eigenhändig wieder auf. Dieser Geist ist hundert Jahre alt und noch immer lebendig: Der TSV München-Großhadern feiert 2026 sein Jubiläum – und lädt alle ein, mitzufeiern.
Begonnen hat alles am 26. Juni 1926 in einem Hinterzimmer. Polykarp Burghart gründete den Turnverein; geturnt wurde zunächst in den Nebenräumen der Gaststätten „Thalmair” und „Stürzer”. Als der Platz zu eng wurde, bauten die Mitglieder 1932 – mitten in der Weltwirtschaftskrise – eine eigene Halle. Das nötige Geld lieh die Pschorrbräu AG gegen eine Gegenleistung: Zehn Jahre lang gab’s im Verein nur Pschorr-Bier. Als 1933 die SA die neue Halle für ihre Übungen beanspruchte, wies der Vorstand das Ansinnen ab: Die genagelten Stiefel würden den neuen Parkettboden beschädigen.
Nach dem Krieg entstand die Halle in 16.000 unbezahlten Arbeitsstunden neu. Und 1949 kam eine Abteilung hinzu, die den Verein weltberühmt machen sollte: Judo. Die ersten Matten waren mit Sägemehl gefüllt und ziemlich bucklig, Trainingsrat gab es knapp: „Probier's halt.” Die Judoka lernten trotzdem schnell. 1968 holten sie den ersten Deutsche Mannschaftsmeistertitel. 1972 gewann Paul Barth bei den Münchner Heimspielen Olympia-Bronze – zur Vorbereitung hatte er bei Abteilungsleiter Siegi Sterr gewohnt und gegessen. Sterr resümierte das später trocken: Das sei „die einzige Sportmedaille, die ich auf der Olympiade 72 in München geholt habe.”
1986 schrieben die Fußballer ihr eigenes Kapitel: Aufstieg in die Bayernliga, Heimspiel gegen 1860 vor 8.500 Zuschauern im Grünwalder Stadion. Zur Finanzierung erfand der Verein das Haderner Dorffest – und verloste einen BMW, moderiert von Pierre Brice. Der „Winnetou”-Darsteller kaufte spontan selbst ein Los und gewann prompt. Betrugsgerüchte kamen sofort auf. Unberechtigt, wie Vize-Abteilungsleiter Berti Sammer Jahrzehnte später versicherte: „Dabei war genau der Fehler, dass wir es nicht getürkt haben.”
Heute zählt der TSV rund 3.000 Mitglieder in fünfzehn Sportarten – von Aikido über Trendsportarten wie Handball oder Pickleball bis zu Volleyball. Herzstück ist die Siegi-Sterr-Halle, 1991 als Olympiastützpunkt eingeweiht.
Am Samstag, 9. Mai, feiert der Verein beim Haderner Dorffest mit Mitgliedern und Freunden.
Am 27. Juni steigt das große Sportfest – der eigentliche Geburtstag, offen für alle. Wer den TSV noch nicht kennt: Das ist der richtige Tag.
Den Abschluss bildet am 28. Juni eine Fahnenweihe in der Canisius-Kirche mit Weißwurstfrühstück danach.
Hundert Jahre Geschichte – drei Gelegenheiten, Teil davon zu sein.