Direkt am S-Bahnhof Taufkirchen soll ein neues Quartier entstehen – und das bestehende, trostlose Gewerbegebiet ersetzen. Am 12. Juli findet dazu nun ein von der Gemeinde initiiertes Ratsbegehren sowie ein Bürgerbegehren von den Gegnern des Projekts statt.
Das Areal direkt westlich der S-Bahnlinie ist aktuell von Gewerbebauten aus den 1970er Jahren geprägt. Mit dem neuen „Quartier am Bahnhof“ will Taufkirchen nicht weniger als ein neues Tor zur Gemeinde schaffen – vielfältig, lebendig und zukunftsfähig. Auf mehr als zwölf Hektar soll in den nächsten Jahren zwischen Bahnlinie, Lindenring und Waldstraße ein lebendiges, durchmischtes Quartier entstehen – mit Wohnungen, Arbeitsplätzen, sozialer Infrastruktur, Einzelhandel, Gastronomie sowie großzügigen Grün- und Freiflächen.
Besonderes Augenmerk liegt im „Quartier am Bahnhof“ auf der Verbindung von Wohnen und Arbeiten. Rund 50 Prozent der Flächen sind für Wohnbebauung vorgesehen, mit einem Mix aus Ein- bis Fünfzimmerwohnungen. Auch Einrichtungen für Senioren sind vorgesehen - vom betreuten Wohnen bis zum Pflegeheim. Ergänzt wird das Quartier durch Flächen für Ärzte, Büro, Dienstleistungen, Gastronomie und Nahversorgung.
Besonderen Wert legt die Gemeinde auf den Erhalt und Ausbau der sozialen Einrichtungen im Quartier, um Angebote für eine Vielzahl von Anspruchsgruppen vorzuhalten. Dazu gehören unter anderem das Jugendzentrum, der Bürgertreff, die Nachbarschaftshilfe, die Bücherei und eine Nebenstelle der Volkshochschule. Auch mit dem Hachinger Tisch gibt es bereits Gespräche, wo in Zukunft sein Standort sein könnte.
„Wir legen Wert darauf, niemanden zu vergessen und unseren Einfluss geltend zu machen, damit alle Parteien am Ende zufrieden sein können”, betont Bürgermeister Dr. Sebastian Thoma. Bei einem Besuch beim Hachinger Tisch, dessen Arbeit Thoma in den höchsten Tönen lobte, wurde auch über einen möglichen neuen Standort diskutiert. Auf jeden Fall, so das Fazit der Unterredungen, soll der Hachinger Tisch zum Einen in S-Bahnnähe bleiben und zum Anderen so liegen, dass die Besucher sich nicht wie auf dem Präsentierteller fühlen müssen.
„Das neue Quartier ist wichtig für die Gemeinde, es ist eine einmalige Chance hier etwas zu schaffen, das seines gleichen sucht”, betont der Rathauschef weiter. Wer in Taufkirchen derzeit ankommt, dem präsentiere sich der Ort nicht eben von seiner Schokoladenseite, so das Gemeindeoberhaupt. Mit den neuen Plänen könnte sich Taufkirchen neu aufstellen.
Nicht zu vergessen: die Ansiedlung von Betrieben würde zu mehr Gewerbesteuer in Taufkirchens Säckel führen. Das Bevölkerungswachstum über die nächsten Jahre würde rund 1.800 Personen betragen, ein sehr moderates Wachstum, wie Thoma betont. Weiter gibt er zu bedenken, dass ein „Nein” zum Ratsbegehren langfristig eine neue Bebauung nicht verhindere, da sich an den Eigentumsverhältnissen nichts ändern würde. „Wir ringen hart mit den Eigentümern, damit am Ende alle mit dem Ergebnis zufrieden sein können”, verspricht Dr. Sebastian Thoma weiter.
Im Quartier sind Kindertageseinrichtungen, soziale Treffpunkte sowie attraktive Freiräume geplant. Ein durchdachtes Mobilitätskonzept soll den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden – mit ÖPNV-Anbindung, Fahrrad- und Fußwegen sowie moderater Autonutzung. Im Zuge des Projekts wollen die Gemeinde und die Projektpartner auch das Bahnhofsumfeld städtebaulich aufwerten und barrierefrei gestalten.
Stimmt die Mehrheit der Taufkirchner am 12. Juli für das Ratsbegehren, so könne man im kommenden Jahr ins Bauleitplanverfahren einsteigen und in rund zwei Jahren mit dem Bau beginnen. Stimmt die Mehrheit für den Bürgerentscheid 2, so werden die Pläne für zwölf Monate auf Eis gelegt.