Im Kunstunterricht der Klasse 11D des städtischen Käthe-Kollwitz Gymnasium entstand in diesem Schuljahr das Projekt „Die verlorenen Bilder”. Ausgangspunkt war die Auseinandersetzung mit Kunstwerken der Klassischen Moderne, die während der nationalsozialistischen Kulturpolitik als sogenannte „entartete Kunst” beschlagnahmt, zerstört oder bis heute nicht wiedergefunden wurden. Die Schülerinnen und Schüler recherchierten unter anderem anhand des von den Nationalsozialisten angelegten Verzeichnisses „Entartete Kunst” des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (1941/42) zu Künstlerinnen und Künstlern, zu verschollenen Werken sowie zu deren kunsthistorischem und zeitgeschichtlichem Kontext. Anschließend versuchten sie, diese verlorenen Werke künstlerisch zu rekonstruieren. Dabei entstanden Arbeiten in unterschiedlichen Techniken, unter anderem Malereien, Zeichnungen, druckgrafische Arbeiten und plastische Umsetzungen.
Ziel des Projekts war es, die verlorenen Werke so weit wie möglich wieder sichtbar zu machen und sie symbolisch in die Gegenwart zurückzuholen. Dabei stand nicht die täuschend echte Nachbildung im Fokus, vielmehr durften die Rekonstruktionen als Arbeiten heutiger Schülerinnen und Schüler erkennbar bleiben. So entstanden Bilder, die einerseits an die verlorenen Originale erinnern und andererseits deutlich machen, dass junge Menschen sich mit deren Schicksal auseinandersetzen und ein Zeichen gegen das Vergessen setzen.
Gerade dort, wo nur noch Titel, kurze Beschreibungen oder stilistische Hinweise überliefert sind, mussten die Schülerinnen und Schüler eigene bildnerische Lösungen entwickeln, angelegt an die verbliebenen Bilder der Künstlerinnen und Künstler. So entstanden Rekonstruktionen zwischen historischer Annäherung und gegenwärtiger künstlerischer Praxis. Über diese besondere Anerkennung freute sich Kunstlehrer Korbinian Jaud gemeinsam mit der Klasse sehr: Das Projekt erhielt eine Auszeichnung durch den BDK Fachverband für Kunstpädagogik Bayern. Der eingereichte Projektvorschlag wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Kunststück. Kunst vermitteln” 2025/26 ausgezeichnet und mit einer materiellen Zuwendung unterstützt. Diese Förderung soll für eine hochwertigere Realisation der Projekte sowie für die Präsentation der Ergebnisse eingesetzt werden. Die entstandenen Arbeiten waren in der diesjährigen Jahresausstellung des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums zu sehen.
„Auch in Zukunft soll das Projekt fortgeführt werden, damit immer wieder neue Klassen verschwundene Werke der Kunstgeschichte sichtbar machen können. Auf diese Weise bleibt die Erinnerung an die verlorenen Bilder lebendig und zugleich wird deutlich, dass sich Ideen, geistige Werte und kulturelle Zeugnisse langfristig nicht auslöschen oder verdrängen lassen, wenn wir es nicht zulassen”, so Jaud.