Das Kurt-Huber-Gymnasium fördert als modernes, neusprachliches und sozialwissenschaftliches Gymnasium den europäischen und internationalen Austausch. Dies wurde in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut. Neben langjährigen Schulpartnerschaften mit Frankreich, Spanien und den USA pflegt die Schule im Rahmen ihrer Tansania-AG auch eine enge Verbindung zur Partnerschule in Tansania.
Derzeit verbringen zehn Schülerinnen gemeinsam mit ihrem Schulleiter Imani Msambwa und den Lehrkräften Moses Lwila und Sturida Kisega zwei Wochen in Deutschland. Begleitet werden sie auf deutscher Seite von den Lehrkräften Andrea Rückert, Julian Rasthofer und Torben Scherrer sowie von Benja Rückert.
Ein besonderer Programmpunkt des Aufenthalts war der Besuch im Gräfelfinger Rathaus, wo Bürgermeister Peter Köstler die Gäste empfing. „Wir freuen uns immer sehr, wenn wir Jugendliche aus aller Welt bei uns begrüßen können”, so Peter Köstler. „Diese Austauschaktionen sind ein Gewinn für beide Seiten. Der berühmte Blick über den Tellerrand kann nur inspirierend und lehrreich sein und wir in der Verwaltung unterstützen solche Begegnungen sehr gerne.”
Im Mittelpunkt des Austauschs stehen das gegenseitige Kennenlernen, die Verbesserung der Sprachkenntnisse sowie das Verständnis für unterschiedliche politische, gesellschaftliche und kulturelle Strukturen. Entsprechend nutzten die Schülerinnen die Gelegenheit, Bürgermeister Köstler zahlreiche Fragen zum Leben und zur Kommunalpolitik in Gräfelfing zu stellen. Ein Thema war die Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde. Peter Köstler erklärte, dass Gräfelfing seit vielen Jahren eine weitgehend konstante Einwohnerzahl von rund 14.000 Menschen aufweise. Dies sei vor allem auf das bewusst restriktive Baurecht zurückzuführen. Die Gemeinde könne über ihre Bauleitplanung selbst steuern, wie sich die Bebauung entwickle. Große Wohnkomplexe seien daher nur in begrenztem Umfang möglich. Gleichzeitig sei Gräfelfing aufgrund seiner attraktiven Lage eine begehrte und entsprechend teure Wohngegend. Weitere Ausdehnungsmöglichkeiten gebe es kaum: Im Osten und Westen begrenzen Waldflächen das Gemeindegebiet, im Norden und Süden schließen unmittelbar Nachbargemeinden an.
Auch die gute Infrastruktur trage wesentlich zur Attraktivität des Ortes bei. Die Bahnlinie sei entscheidend gewesen für die Entwicklung Gräfelfings, heute profitiere die Gemeinde von ihrer Nähe zur Landeshauptstadt München. Die Autobahn sei dabei zugleich Fluch und Segen: Einerseits sorge sie für eine hervorragende Verkehrsanbindung, andererseits teile sie das Gemeindegebiet. Sieben Brücken verbinden die beiden Ortsteile miteinander.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war das Thema Integration. Bürgermeister Köstler berichtete, dass Menschen vieler Nationalitäten in Gräfelfing leben. Gemeinsam mit dem Landkreis engagiere sich die Gemeinde zudem für die Unterbringung von Geflüchteten und Vertriebenen. Besonders erfreulich sei, so Köstler, dass sich viele Ehrenamtliche in Helferkreisen engagieren und zahlreiche Familien, die bereits 2015 nach Gräfelfing gekommen sind, inzwischen dauerhaft Wohnraum gefunden haben.
Natürlich interessierte Köstler auch, welche Eindrücke die Gäste vom Kurt-HuberGymnasium gewonnen haben. Die Schülerinnen aus Tansania zeigten sich begeistert vom weitläufigen Schulcampus mit seinen großzügigen Freiflächen, der Cafeteria sowie den zahlreichen Kunstwerken, die die Flure der Schule schmücken. Im weiteren Verlauf stellte Imani Msambwa, Lehrer in Emmaberg, das Austauschprogramm vor. Zu Beginn des Aufenthalts waren Gäste und Gastgeber gemeinsam in einer Jugendherberge in Garmisch-Partenkirchen untergebracht. Anschließend wechselten sie in Gastfamilien, bei denen jeweils zwei Schülerinnen gemeinsam wohnen. Unterstützt wird das Austauschprojekt durch ENSA, das entwicklungspolitische Schulaustauschprogramm von Engagement Global, msowie durch die Stiftung Jugendaustausch Bayern.
Jeder Austausch steht unter einem besonderen Leitthema, das mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen verknüpft ist. Für den diesjährigen Austausch haben die Jugendlichen das Ziel 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen gewählt und beschäftigen sich im Rahmen vieler Workshop vor allem intensiv mit „Flucht und Migration”.
Zum abwechslungsreichen Besuchsprogramm gehören außerdem Exkursionen nach München, unter anderem ins Kultur- und Wohnprojekt Bellevue di Monaco, die Teilnahme an einer Musicalaufführung am Kurt-Huber-Gymnasium sowie Ausflüge an den Staffelsee und in den Wildpark Poing. So erhalten die Gäste vielfältige Einblicke in das Leben, die Kultur und die Natur Bayerns.
Zum Abschluss des Rathausbesuchs überreichten die Schülerinnen Bürgermeister Peter Köstler als Zeichen der Freundschaft einen sogenannten Kitenge. Dabei handelt es sich um einen farbenfrohen, traditionell bedruckten Baumwollstoff, der in Ostafrika vielseitig verwendet wird – beispielsweise für Kleidung, Tischdecken oder als Geschenk zu besonderen Anlässen. Das Präsent symbolisiert die enge Partnerschaft zwischen dem Kurt-Huber-Gymnasium und der Schule in Tansania sowie die Verbundenheit, die durch den regelmäßigen Austausch über Ländergrenzen hinweg entstanden ist.