Nach einigen Wochen gemeinsamer Einarbeitungszeit ist der Wechsel offiziell vollzogen: Bürgermeister Peter Köstler verabschiedete die langjährige Leiterin der Gemeindebücherei Elke Naeve kürzlich in den Ruhestand. „Sie haben das Gesicht unserer Bücherei geprägt, haben 40 Jahre lang die Geschicke gelenkt und dabei viele Entwicklungsphasen miterlebt und gestaltet. Sie hinterlassen ein hervorragend aufgestelltes Haus und dafür danke ich Ihnen sehr”, sagte er.
Zur Verabschiedung waren auch zahlreiche Kollegen aus der Verwaltung und den Außenstellen gekommen. Zugleich begrüßte Peter Köstler die Nachfolgerin Anna Neufeld, die zuvor in der Stadtbibliothek Würzburg tätig war. Sie wird sich als Schwerpunkt nun erst einmal mit dem Umzug der Bücherei zurück an den Bahnhofsplatz und dem Probebetrieb in den neuen Räumen auseinandersetzen.
„Ich habe viel vor, unter anderem das tolle Team besser kennen zu lernen und noch weiter zu stärken, die Bibliothek zukunftsfähig zu entwickeln, sie als so genannten ,Dritten Ort' zu etablieren, auch als Lernort, mit noch mehr Aufenthaltsqualität. So sieht es auch das aktuelle Konzept der Bücherei vor unter dem Motto ,Bibliothek Gräfelfing: Das Wohnzimmer der Gemeinde. Offen für alle.' Auch bei den Themen Digitalisierung und Medienpädagogik müssen wir weiter voranzugehen”, so Anna Neufeld.
„Wie ein abgestimmtes Orchester von wunderbarem Klang” – so umschrieb Gemeinderat Gerhard Fiesinger im Jahr 1980 das neue Ensemble von Bürgerhaus, Bibliothek, Kino, Geschäften und Gaststätte. Mit großer Mehrheit stimmte der damalige Gemeinderat dem Entwurf des Architekten Klaus Molenaar zu. 1984 wurde das Gebäude eröffnet. Elke Naeve war ab 1986 mit dabei.
„Damals beschränkte sich der Betrieb der Bücherei auf einfache Buchausleihe, die allerdings ohne technische Hilfsmittel viel aufwändiger und zeitintensiver war. Das hat sich im Vergleich zu heute doch sehr verändert”, blickte sie zurück.
Über 30.000 Medien wie Hörbücher, DVDs, CDs, Spiele, Computerspiele, Zeitschriften, eBooks oder ePapers stehen mittlerweile zur Verfügung. Ende September wird die Bücherei zurückkehren an den Bahnhofsplatz in den ersten Stock des grundsanierten Gebäudes mit Turm und offiziell umbenannt werden in „Gemeindebibliothek Gräfelfing”.
Um sich auf den Neustart vorzubereiten wird die Bücherei ab Ende September sechs Wochen geschlossen sein, bevor sie dann ihre Nutzerinnen und Nutzer in ganz neuen Räumlichkeiten und mit vielen neuen Annehmlichkeiten begrüßt. „Es wird mehr Aufenthaltsfläche geben”, weiß Elke Naeve, die das Konzept maßgeblich mitgestaltet hat. „Die Räume laden dazu ein, viele Möglichkeiten auszuschöpfen. Es wurden ja verschiedene Bereiche geschaffen. Auf der einen Seite das Lesecafé, das gemütlich gestaltet wurde, mit Blick auf den Bahnhofsplatz. Hier können die Nutzerinnen und Nutzer Kaffee trinken und sich auch unterhalten. Dann gibt es einen eher sachlichen Lernbereich. Laut und leise, Alt und Jung, modern und gemütlich – für jeden Bedarf ist etwas geboten. Es wurde viel moderne Technik verbaut, aber dennoch wurde das Familiäre erhalten. Perspektivisch möchten wir uns auch auf eine so genannte .Open Library' vorbereiten, das heißt, dass die Nutzerinnen und Nutzer die Bibliothek auch außerhalb der Öffnungszeiten nutzen können. Die neuen Räume wurden auch in Hinsicht darauf schon angelegt. Wir könnten auch die Öffnungszeiten noch weiter anpassen – da gibt es viele Richtungen, in die man denken kann. Jedenfalls werden wir mit dem Standort am Bahnhofsplatz wieder deutlich sichtbarer sein, es ist einfach der zentrale Ort in Gräfelfing, der auch von allen Schulen gut erreichbar ist”, so Naeve weiter.
Es wird auch eine Bibliothek der Dinge geben, in der die Nutzerinnen und Nutzer Gegenstände testen können, die sie vorher vielleicht noch nie gesehen haben. Es gibt das Potenzial für vielfältige Veranstaltungen. „Mit dem neuen Raum haben wir ein großes Potenzial”, betonte Anna Neufeld. „Wir wollen die Menschen aber auch an der Belebung des Raums beteiligen, es soll ein partizipativer Raum sein. Die Menschen dürfen uns sagen, was sie sich wünschen. Kooperationen sollen aufgebaut werden und auch die Vernetzung mit der Gemeinde ist sehr wichtig.”
Auch in Würzburg hat Anna Neufeld schon Veränderungsprozesse in der Bibliothek begleitet und strategisch gearbeitet. Sie war im Leitungsteam in Würzburg unter anderem verantwortlich für Personal- und Organisationsentwicklung. „Ich habe auch den Bibliotheksentwicklungsplan mitgeschrieben, für den wir den bayerischen Bibliothekspreis erhalten haben. Mir gefällt es sehr, dass in Gräfelfing alles sehr gut strukturiert ist, das erleichtert die Vorbereitung des Umzugs. Das Team zieht an einem Strang. Es handelt sehr eigenverantwortlich, jeder Mitarbeitende hat seinen eigenen Kompetenzbereich und das läuft sehr gut. Frau Naeve hinterlässt stimmige Abläufe, die gut eingespielt sind. Es macht Freude, daran anzuknüpfen”, so Neufeld.