Ende März beschloss der Gemeinderat mehrheitlich, dass sich auf der „Senderwiese“ im Südosten der Gemeinde das Rüstungs-Startup Helsing ansiedeln darf, das dort ab 2027 Drohnen entwickeln und bauen will. Bürgermeister Benjamin Henn betont, dass in seiner Gemeinde alles harmonisch laufe, doch jetzt formiert sich Widerstand gegen die Helsing-Pläne. Ein Bürgerbegehren soll zu einem Bürgerentscheid über die Ansiedlung führen. Als Reaktion will auch Henn mit seiner Gemeinderats-Mehrheit aus FW, Einigkeit und CSU den Gemeinderats-Beschluss nachträglich mit einem Ratsbegehren untermauern.
Federführend für die Bürgerinitiative „Bündnis Lebensraum Hallbergmoos“ (www.senderwiese.de) sind Heidi Miller-Mommerskamp und Isolde Oberhof, sie lehnen das Unternehmen Helsing ab, „weil Hallbergmoos damit zum Militärgebiet wird. Helsing sagt ja sogar, dass sie so bauen wollen, dass sie unter Beschuss weiter produzieren können – das wollen wir verhindern“, sagt Miller-Mommerskamp. Es gibt im neu gegründeten Verein auch andere Meinungen: Viele sagen, sie wollen das Biotop Senderwiese so erhalten, wie es jetzt ist und haben Bedenken wegen des Trinkwassers der Gemeinde, denn der Brunnen ist nur 1 Kilometer entfernt vom möglichen Helsing-Standort. Andere kritisieren, es sei sehr nebulös, was Bürgermeister Henn und Helsing-Geschäftsführer Gammel bislang von sich gaben in Bezug auf Umsätze des Unternehmens und mögliche Gewerbesteuern. Berechnungen von Externen kommen zum Ergebnis, dass Helsing frühestens in zehn, elf Jahren positive Zahlen schreibt und die Investitionen abgeschrieben hat – also erst dann Gewerbesteuer zahlen könnte. Und dann gibt es Bürger, die ärgern sich darüber, dass die Entscheidung zur Ansiedelung im Kommunal-Wahlkampf nie erwähnt wurde, erst kurz danach – obwohl Henn und die Verantwortlichen wohl schon im Januar die Anfrage erhielten. Es gibt in ihren Augen deshalb zahlreiche Gründe, warum sie als Bürgerinitiative aktuell zur Unterschrift aufrufen. 800 Unterschriften wollen sie bis 6. Juni sammeln, damit es einen Bürgerentscheid geben kann. „Unser Ziel ist es, dass wir nicht zwei Bürger-Abstimmungen haben, sondern eine gemeinsame mit einer Frage, die man mit ja oder nein beantworten kann“, sagt Miller-Mommerskamp. Schaffen sie 800 Unterschriften – im Moment sieht es gut aus - hat der Gemeinderat einen Monat Zeit, um sich damit auseinanderzusetzen.
Bürgermeister Henn will am 5. Juli ein Ratsbegehren zur Abstimmung stellen. Henn betont, das sei kein Wegducken vor der Verantwortung, sondern man wolle die Bürger in die Entscheidung einbeziehen. Er will so auch dem Eindruck begegnen, die Entscheidung sei bereits hinter verschlossenen Türen gefallen.
Zur Information für alle Bürger wird die Gemeinde am Montag, 8. Juni, um 19 Uhr unter dem Titel „Sprechen und Zuhören“ im Gemeindesaal (Theresienstraße 6) eine Informationsveranstaltung durchführen. Befürworter und Gegner des Projekts können dort ihre Argumente austauschen.