Prof. Bärbel Stecher von der Technischen Universität München (TUM) erläuterte im vollbesetzten Lindenkeller, wie das „Mikrobiom“ in unserem Darm uns vor Krankheiten schützen kann. Stecher untersucht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Wirt, Mikrobiom und Krankheitserregern. Die 250 verschiedenen Bakterienarten in unserem Darm leben vor allem von Zuckern aus unserer Nahrung – je nachdem, wer am meisten davon bekommt, entscheidet wie es uns geht. Denn die Mikroorganismen revanchieren sich für die Nährstoffe mit einem gesunden Immunsystem und dem Schutz vor Krankheiten.
Jeder Mensch ist von einer Vielzahl von Bakterien und anderen Kleinstlebewesen besiedelt. Das gilt besonders für unseren Darm. Laut Stecher sind es gut 250 Arten in einer Anzahl von bis zu 100 Billionen Stück, die bis zu einem Kilogramm wiegen können. Bei jedem Stuhlgang wird zwar eine riesige Menge davon ausgeschieden, doch sie wachsen innerhalb weniger Stunden wieder nach – wenn es genügend zu futtern gibt. Und was machen diese Mikroben, unsere „unsichtbaren Mitbewohner“, dort im Darm eigentlich? Welchen Nutzen haben wir von ihnen?
Alle Oberflächen unseres Körpers sind von Mikroorganismen bevölkert, die höchste Dichte findet sich im Darm. Dieses enge Zusammenleben ist das Ergebnis von Millionen Jahren gemeinsamer Evolution.
Das Mikrobiom besteht aus den Mikroorganismen, die in unserem Darm leben, das sind Viren, Pilze und vor allem Bakterien. Sie teilen mit uns Frühstück, Mittag- und Abendessen. Im Gegenzug für den warmen, nährstoffreichen Lebensraum stellen uns die Mikroorganismen eine Vielzahl essenzieller Dienstleistungen zur Verfügung. Sie spielen eine zentrale Rolle im Stoffwechsel, tragen zur Reifung und Regulation des Immunsystems bei und schützen uns äußerst effektiv vor Infektionen durch Krankheitserreger.
„Nicht jeder Mensch hat die gleichen Mikroorganismen in seinem Darm, das hängt stark von seiner Ernährung ab. Neugeborene haben fast gar keine, erst mit der Zeit entstehen diese und bauen so langsam das Immunsystem auf und schützen vor Infektionen und Krankheiten“, so Stecher. Dieses Mikrobiom wächst immer weiter – so lange es ausreichend Nahrung gibt. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Zuckerarten, Pflanzenfasern, Proteine, abgebaute Zellen und Produkte anderer Mikroorganismen, die auf dem Weg vom Magen über den Dünn- und Dickdarm immer weiter zerlegt werden und so als Nahrung für die verschiedenen Mikroorgansimen in Frage kommen. „Positiv wirken sich für unseren Darm eine ausgewogene Art der Nahrung, der Lebenswandel mit viel Bewegung, wenig Alkohol, Zucker und Nikotin sowie das familiäre Umfeld, auch Haustiere, aus. Negativ hingegen sind Faktoren wie mangelnde Hygiene, Krankheiten und viele Medikamente.“ Vor allem Antibiotika hätten eine schlimme Auswirkung auf das Mikrobiom. „Die sind zwar wichtig gegen einige Krankheiten, aber es dauert lange bis sich die Mikroorganismen im Darm von einer starken Antibiotika-Behandlung wieder erholen.“
Jede der 250 Mikroorganismen-Arten sucht sich im Darm seine spezielle Nische. „Sie müssen schneller wachsen, als sie ausgeschieden werden, sie brauchen alle eine spezielle Nahrung – daher müssen wir ausgewogen essen: wenig Fleisch, viel Vollkorn, viel Pflanzen, möglichst kein Zucker, dann haben alle Mikroorganismen ausreichend Nährstoffe und schützen uns.“