Veröffentlicht am 15.05.2026 10:27

Entwurf aus Paris: Die Ludwigstraße bekommt ein neues Gesicht

Heute noch so: Der Platz am Reiterdenkmal Ludwigs I. beim Odeonsplatz wird eher zum Autoabstellen als zur Erholung genutzt.  (Foto: mha)
Heute noch so: Der Platz am Reiterdenkmal Ludwigs I. beim Odeonsplatz wird eher zum Autoabstellen als zur Erholung genutzt. (Foto: mha)
Heute noch so: Der Platz am Reiterdenkmal Ludwigs I. beim Odeonsplatz wird eher zum Autoabstellen als zur Erholung genutzt. (Foto: mha)
Heute noch so: Der Platz am Reiterdenkmal Ludwigs I. beim Odeonsplatz wird eher zum Autoabstellen als zur Erholung genutzt. (Foto: mha)
Heute noch so: Der Platz am Reiterdenkmal Ludwigs I. beim Odeonsplatz wird eher zum Autoabstellen als zur Erholung genutzt. (Foto: mha)

Seit Ende 2025 ist der Altstadtring vom Norden her über den Oskar-von-Miller-Ring zu erreichen. Dadurch wird die Ludwigstraße – auf dem Teilstück zwischen Brienner Straße und Oskar-von-Miller-Ring – vom Autoverkehr entlastet. Ihre bis zu sechs Fahrspuren können auf zwei reduziert werden. „Daraus ergibt sich die Möglichkeit, die unterschiedlichen Verkehrsarten einschließlich des Busverkehrs im Bereich der südlichen Ludwigstraße neu zu ordnen und Flächen hinzuzugewinnen, zugunsten einer höheren Aufenthalts- und Gestaltungsqualität”, informiert das Baureferat. Das heißt unter anderem: Mehr Platz für Fußgänger wird frei. Die Umgestaltung soll im Zusammenhang mit dem Umbau des Sperrengeschosses der U-Bahnhaltestelle Odeonsplatz durchgeführt werden.

Um der herausragenden städtebaulichen und baukulturellen Bedeutung von Odeonsplatz und Ludwigstraße gerecht zu werden, hatte das Baureferat einen Gestaltungswettbewerb durchgeführt. An der Vorbereitung des Wettbewerbs war neben dem Baureferat (Gartenbau) unter anderem auch das Landesamt für Denkmalpflege beteiligt. Es wurden Beteiligungstermine durchgeführt mit Anliegern und Interessenvertretern wie dem Freistaat Bayern (Ministerien, Bauämter, Schlösser- und Seenverwaltung etc.), Anwohnern, Gewerbetreibenden, dem Verband der Automobilindustrie (IAA), dem Referat für Arbeit und Wirtschaft, dem Kreisverwaltungsreferat sowie dem Festring München (Oktoberfest Trachten- und Schützenzug).

Flaniermeile höchster Qualität soll entstehen

Entwurfsaufgabe war es, die Ludwigstraße so umzugestalten, dass sie künftig nicht nur den Erfordernissen des Klimawandels Rechnung trägt, sondern auch zu einem Ort wird, an dem sich die Menschen niederlassen und gerne aufhalten. Gesucht wurde ein Gesamtkonzept, das der Bedeutung des denkmalgeschützten Ensembles gerecht wird. Zwischen den repräsentativen, historischen Gebäuden soll ein Aufenthaltsbereich entstehen, eine Flaniermeile von höchster Qualität und Attraktivität für die Stadtgesellschaft und Gäste aus aller Welt.

Anspruchsvolle Aufgabe für Planer

Das Wettbewerbsgebiet in seiner zentralen Innenstadtlage und mit seiner beachtlichen Größe soll im Sinne der Klimaanpassung angemessen entsiegelt, begrünt und damit gekühlt werden. Dabei sollen auch Baumpflanzungen berücksichtigt werden. Ziel ist es, das denkmalgeschützte Ensemble heutigen Anforderungen entsprechend nachhaltig weiterzuentwickeln und die Einzeldenkmäler in ihrer Wirkung zu stärken. Alles in allem eine anspruchsvolle Aufgabe für Planer.
Zwölf renommierte nationale und internationale Landschaftsarchitekturbüros haben Entwürfe eingereicht. Diese wurden unter Vorsitz der Landschaftsarchitektin und Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Andrea Gebhard, im Februar von einem Preisgericht anonym begutachtet. Die 15-köpfige Jury konnte sich auf drei ausgewählte Entwürfe verständigen, zu denen die Verfasser um eine Überarbeitung gebeten wurden.
Im April kam das Preisgericht erneut zusammen, um die drei überarbeiteten Entwürfe zu beurteilen, und sprach sich für folgende Reihung aus: An erster Stelle steht die Arbeit der Architekturbüros MDP Michel Desvigne Paysagiste SARL zusammen mit und PCA-STREAM aus Paris. Jeweils ein Büro aus Berlin folgt an zweiter und dritter Stelle. Anerkennung erhielten auch ein Architekturbüro aus München und eines aus Landshut.

Saalplatz mit kulissenartigen Baumhainen begrüßt

Die Begründung für den ersten Platz lautet folgendermaßen: „Die Verfasserinnen des Entwurfes setzen sich das Ziel, die Ludwigstraße als großzügigen Raum und städtischen ›Saalplatz‹ zu gestalten, der durch einen weitgehend durchgängigen Belag und kulissenartig gesetzte Baumhaine akzentuiert werden soll. Die Jury schätzt die Idee der trittsteinartig angeordneten, artenreichen Baumhaine, die dem Raum eine gestalterische Ruhe verleihen und zugleich inselartige, schattige und überwiegend unversiegelte Aufenthaltsbereiche schaffen. Den Stadtbewohnerinnen und -bewohnern und Gästen in der Stadt wird dadurch die Gelegenheit geboten, den eindrucksvollen, historisch bedeutsamen Raum intensiv zu erleben...“

Vom Transit- zum Aufenthaltsraum

Die Wichtigkeit der Klimaanpassung erläutert Juryvorsitzende Andrea Gebhard: „Ich möchte der Landeshauptstadt München gratulieren, den mutigen Schritt gegangen zu sein, ein Ensemble von Weltrang so umzugestalten. Wir stehen vor der Frage der Klimaanpassung unserer Städte. Dieser Wettbewerb zeigt exemplarisch, wie es gelingen kann. Vor vielen Jahrzehnten entstand eine bis heute den Status quo abbildende Raumaufteilung der Ludwigstraße, die ganz sich auf den Straßenverkehr und das Auto fokussierte.” Der Idee des Pariser Architektenbüros überzeuge, „weil sie den Raum von einem Transitraum in einen Aufenthaltsraum von höchster stadtgestalterischer Qualität umgestaltet. Im Schutz neuen Grüns verspricht dieser Ansatz eine entspannte Nutzung der hinzugewonnenen Aufenthaltsbereiche. Daraus erwächst nicht zuletzt auch eine Chance für das umliegende historische Ensemble. Es erfährt auf neue Art und Weise Wahrnehmung und die ihm gebührende Geltung.“

Auch Baureferentin Jeanne-Marie-Ehbauer zeigt sich überzeugt: „Das Ergebnis des Wettbewerbes kann uns sehr zufrieden stimmen. Jede der ausgewählten Arbeiten hat es geschafft, der hochkomplexen Aufgabenstellung gerecht zu werden, die Entwicklungspotenziale für die Ludwigsstraße und den Odeonsplatz aufzuzeigen und dabei dennoch unterschiedliche Ansätze zu verfolgen. Mein Dank gilt allen Teilnehmerteams für ihre wertvollen Beiträge und den Mitgliedern des Preisgerichts für die engagierte und konstruktive Diskussion. Im Ergebnis können wir nun den Stadtrat mit einem Vorschlag zum weiteren Vorgehen befassen und die neue Oberflächengestaltung mit dem geplanten Umbau des U-Bahnhofs rechtzeitig bestmöglich verzahnen.“

Alles ausgestellt

Das Baureferat zeigt alle eingereichten Entwürfe von Deinstag, 26. Mai, bis Sonntag, 7. Juni, im Oskar-von-Miller-Forum (Oskar-von-Miller-Ring 25). Geöffnet ist montags bis freitags von 09.00 bis 20.00 Uhr, am Wochenende von 09.00 bis 17.00 Uhr. Anschließend sind die Entwürfe von Dienstag, 9., bis Freitag, 19. Juni, in der Halle des Technischen Rathauses (Friedenstraße 40) zu sehen. Hier ist montags bis donnerstags zwischen 08.00 und 19.30 Uhr geöffnet sowie freitags von 08.00 bis 16.00 Uhr. Der Eintritt ist jeweils frei.
Weitere Informationen zu den Wettbewerbseinreichungen sind unter der Adresse www.muenchen.de/ludwigstrasse zu finden.

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