Der Wahlkampf endet nicht mit dem Wahltag, er geht weiter! Jetzt in Stellung bringen bis zur nächsten Wahl: das war eine Erkenntnis beim dritten Bootcamp Kommunalpolitik von FidiP (Frauen in die Politik e.V.). 28 Teilnehmerinnen und vier Referentinnen und Referenten waren ins Haus der bayerischen Landwirtschaft gekommen. Darunter waren frisch gewählte Amtsträgerinnen, davon vier Bürgermeisterinnen. Das Bootcamp wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
Alle waren neugierig auf „ein Intensiv-Wochenende, an dem Sie Ihr Wissen in der Gremienarbeit vertiefen, Ihre Resilienz stärken und neue Führungsstrategien entwickeln.“ Die Leitung der Tagung lag bei Sabine Appelhagen, Präsidentin des FidiP e.V., und Tanja Kodisch-Kraft, Bildungsreferentin des Bayerischen Bauernverbandes. Bei der Tagung ging es um Themen wie „Gremienarbeit verstehen – wie Entscheidungen wirklich zustande kommen”, „Sitzungen souverän meistern – mit Klarheit und Präsenz” oder „Zusammenarbeit über Fraktionen hinweg – Brücken bauen, Lösungen finden”.
Mit diesen Themen im Gepäck startete das Bootcamp mit der offiziellen Eröffnung durch Sabine Appelhagen und Tanja Kodisch-Kraft. Auf der Bühne wartete Gabi Junklewitz, Achtsamkeitstrainerin und Supervisorin. In ihrem Workshop „Mit Nichts-Tun die Welt verändern“ ging es unter anderem darum, wie man durch tägliches Nichts-Tun Stress reduzieren kann. „Man kann es üben“, sagte sie, „am besten täglich”. Und: „Achtsamkeit ist ein äußerst unterschätztes Tool im politischen Alltag.“ Also wurde gleich ein wenig geübt und festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, einem Gegenüber vier Minuten lang wirklich zuzuhören oder sich mit geschlossenen Augen führen zu lassen.
Mit fast hellseherischen Fähigkeiten vertiefte Alois Scherer, Bürgermeister a.D. der Gemeinde Deining/Oberpfalz, heute Referent der Hanns Seidel Stiftung, diese und viele weitere Punkte. Einige Kernaussagen aus seinem Workshop „Neu im Amt – Kommunalpolitik verstehen und mitgestalten“: Politik wird nicht in der Sitzung gemacht. Unvorbereitet in Sitzungen gehen ist ein absolutes No-Go. Nur aus der eigenen Sicht argumentieren, sich zu spät oder gar nicht einbringen, gehört zu den größten Fehlern.
Das waren Stichworte für die Journalistin und PR-Expertin Gisela Goblirsch. „Führung heißt, Verantwortung zu übernehmen“, sagte sie etwa und „miteinander sprechen – nicht übereinander“.
Bernhard Reitberger, „Trainer mit Erdung“, brachte sein Thema „Politik wirksam gestalten“ realitätsnah rüber mit Geschichten aus dem Leben, fragte etwa, warum Kinder so erfolgreich im Verhandeln sind (stellen irrationale Forderungen), warum Donald Trump aus verhandlungstechnischer Sicht super ist, warum sich zu billig verkauft, wer nicht verhandelt. Seine Appelle: „Traut euch! Verhandeln macht Spaß! Habt den Mut, Dinge anzusprechen!“ Auch ein „ja, und…“ zeige mehr Kompetenz als ein „ja, aber…“.
Alles gesagt und gefragt in diesen intensiven Tagen? Bestimmt nicht. Die gute Nachricht daher: Das ursprünglich als Dreiteiler angelegte FidiP-Bootcamp geht weiter! Vom 24. bis 26. Juli wird das FidiP-Sommercamp stattfinden. Ein Programmpunkt steht schon fest: Der Sprung ins kalte Wasser.