Veröffentlicht am 16.01.2026 11:03

Münchner Studenten sammeln 2500 Euro für krebskranke Kinder

Auf zwei Bühnen – einer „Face-2-Face-Stage” und einer „Groove Grotte” – kuratierten über 20 Künstler den Abend.  (Foto: Florian Westermann)
Auf zwei Bühnen – einer „Face-2-Face-Stage” und einer „Groove Grotte” – kuratierten über 20 Künstler den Abend. (Foto: Florian Westermann)
Auf zwei Bühnen – einer „Face-2-Face-Stage” und einer „Groove Grotte” – kuratierten über 20 Künstler den Abend. (Foto: Florian Westermann)
Auf zwei Bühnen – einer „Face-2-Face-Stage” und einer „Groove Grotte” – kuratierten über 20 Künstler den Abend. (Foto: Florian Westermann)
Auf zwei Bühnen – einer „Face-2-Face-Stage” und einer „Groove Grotte” – kuratierten über 20 Künstler den Abend. (Foto: Florian Westermann)

Während gesellschaftliche Debatten oft von Polarisierung geprägt sind, setzen junge Münchner auf praktisches Engagement: Am Vor kurzem verwandelte das Kollektiv „Beats vom Kietz” das Backstage in eine Benefizveranstaltung. Über 400 Gäste tanzten bis 5 Uhr morgens zu elektronischer Musik – und ermöglichten eine Spende von mehr als 2.500 Euro an die Initiative krebskranke Kinder München e.V.

Vorurteile entkräftet

„Wir wollten zeigen, dass unsere Generation sehr wohl Verantwortung übernimmt – nur eben auf unsere Weise”, erklärt Julian Thilo, einer der beiden Gründer. Der 19-jährige TUM-Student initiierte das Projekt gemeinsam mit Sascha Nowotny (20, BWL-Student an der HM). Die beiden gründeten 2024 ihr Kollektiv, nachdem sie auf einer Abireise mit kommerziellen Partyformaten unzufrieden waren.
Das Konzept widerspricht bewusst gängigen Klischees über die Generation Z. Während ihr oft vorgeworfen wird, ausschließlich auf Social Media aktivistisch zu sein, nutzt „Beats vom Kietz” digitale Kanäle strategisch: 190.000 Impressionen im letzten Monat halfen, die Veranstaltung bekannt zu machen. „Soziale Medien sind ein Werkzeug, kein Selbstzweck”, betont Thilo.
Auch das Vorurteil der unpolitischen Partygeneration entkräftet das Event. Die gestaffelten Ticketpreise zwischen 5 und 15 Euro – je früher gekauft, desto günstiger – ermöglichten einen niedrigschwelligen Zugang. Bemerkenswert: Durchschnittlich 70 Prozent des Ticketpreises konnten direkt an die Spendenorganisation weitergegeben werden. „Das war nur möglich, weil uns das Backstage entgegengekommen ist, die DJs auf hohe Gagen verzichtet haben und Freunde unentgeltlich mitgeholfen haben”, erklärt Thilo die solidarische Unterstützung. Zusätzlich zu den Eintrittsgeldern füllte sich eine Spendenbox, die von Ehrenamtlichen der Initiative krebskranke Kinder betreut wurde und einen dreistelligen Betrag einbrachte. Der gesamte Erlös fließt in die Musiktherapie für krebskranke Kinder, eine bewusste Wahl: „Die Verbindung zur Musik passt zu unserem Kollektiv, und diese Kinder verdienen das Beste”, so Nowotny.

Musik schafft Gemeinschaft ohne Worte

Auf zwei Bühnen – einer „Face-2-Face-Stage” und einer „Groove Grotte” – kuratierten über 20 Künstler den Abend. Besonderes Highlight: eine spontane Posthorn-Einlage von Paul, in der Münchner Szene auch als „Posthornpaul” bekannt. Der musikalische Schwerpunkt lag auf Trance, einer schnelleren, rhythmusbetonteren Spielart des Techno. „Elektronische Musik schafft Gemeinschaft ohne Worte”, beschreibt Thilo die Atmosphäre.
Das Publikum war divers, auch ältere Gäste fanden den Weg ins Backstage. Die explizit inklusive Haltung des Kollektivs – jegliche Form von Sexismus, Diskriminierung und Rassismus wird nicht geduldet – prägte die Stimmung. Gegen 5 Uhr, als die Lichter angingen, wurde noch immer getanzt.
Dem Vorurteil der drogendurchsetzten Technoszene begegnet das Team mit klarer Haltung: „Bei unseren Events wird ausdrücklich vom Konsum abgeraten. Die Atmosphäre ist friedlicher als bei vielen anderen Veranstaltungen”, betont Nowotny. Die Realität sei ohnehin eine andere als das Klischee – der Konsum unterscheide sich nicht von anderen Orten.
Das finanzielle und zeitliche Risiko tragen die Gründer selbst: Kosten für Location, DJs und Werbung stehen ohne Gewinnabsicht. „Wir wollen sozialen Mehrwert schaffen und jungen Künstlern eine Bühne bieten”, erklärt Thilo die Motivation. Das Feedback war überwältigend, bereits jetzt fragen Gäste nach einer Wiederholung. Ein Termin steht noch nicht fest, die Planung läuft.
Die Initiative krebskranke Kinder München e.V. fördert mit dem Spendenbetrag Musiktherapie-Angebote.

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