Nüchtern betrachtet

In einem geschützten Raum können sich die Betroffenen austauschen und sich gegenseitig auf ihrem Weg in ein Leben ohne Süchte helfen. (Foto: Blaukreuz-Zentrum)
In einem geschützten Raum können sich die Betroffenen austauschen und sich gegenseitig auf ihrem Weg in ein Leben ohne Süchte helfen. (Foto: Blaukreuz-Zentrum)
In einem geschützten Raum können sich die Betroffenen austauschen und sich gegenseitig auf ihrem Weg in ein Leben ohne Süchte helfen. (Foto: Blaukreuz-Zentrum)
In einem geschützten Raum können sich die Betroffenen austauschen und sich gegenseitig auf ihrem Weg in ein Leben ohne Süchte helfen. (Foto: Blaukreuz-Zentrum)
In einem geschützten Raum können sich die Betroffenen austauschen und sich gegenseitig auf ihrem Weg in ein Leben ohne Süchte helfen. (Foto: Blaukreuz-Zentrum)

Ein deutsches Sprichwort sagt: „Im Becher ersaufen mehr als im Meer”. Wie wahr diese Aussage ist, wissen Suchttherapeutin Sandra Wendl und ihre Kolleginnen vom Blaukreuz-Zentrum in Ottobrunn in der Ottostraße 55a.

Das Team hilft Menschen im gesamten Landkreis, sich ihren Abhängigkeiten zu stellen und einen Weg zurück in die Normalität zu finden. So gibt es beispielsweise das Angebot der Ambulanten Therapie, die Alkoholabhängige ein Jahr lang auf ihrem Weg aus der Sucht begleitet. Nach dem körperlichen Entzug, der oftmals in der Klinik durchgeführt wird, aber auf jeden Fall unter ärztlicher Aufsicht vollzogen werden sollte, folgt der psychische Entzug, der in der Regel sehr viel länger dauert, als der körperliche.

Da einem Alkohol im Alltag beinahe täglich begegnet, lernen die Teilnehmer hier den vielen Versuchungen zu widerstehen und einen neuen Weg im Umgang mit ihren Problemen zu finden. Angesprochen sind hier vor allem Personen, die im Alltag noch funktionieren und auf den ersten Blick oftmals gar nicht als alkoholabhängig erkannt werden. „Viele Alkoholiker funktionieren eine lange Zeit hinweg noch in Alltag und Familie. Sie beruhigen sich damit, dass sie, solange sie noch am Arbeitsleben teilnehmen und durchaus auch erfolgreich sein können, es nicht so schlimm mit der Sucht bestellt sein könne”, berichtet Sandra Wendl. Manche von diesen Alkoholikern schafften es auch über eine gewissen Zeitspanne ohne Alkohol auszukommen, nur um dann wieder in alte Muster zurück zu fallen. „Eine Sucht liegt dann vor, wenn man den Alkohol braucht, beispielsweise um herunter zu kommen, Probleme zu vergessen, einzuschlafen oder einfach unangenehme Gefühle zu verdrängen. Dass funktioniert scheinbar anfangs sehr gut, entwickelt sich aber schnell zu einem weiteren Problem”, so Sandra Wendl weiter. Auch wenn viele Alkoholkranke meinen, sie haben alles unter Kontrolle, gibt es doch sicher Anzeichen dafür, dass eine Sucht vorliegt. So führt Alkoholismus oftmals zu psychischen Veränderungen wie Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen, sozialen Rückzug und Aggression, zusammen mit Unzuverlässigkeit, Vernachlässigung von Pflichten und Lügen, um den Konsum zu verbergen. Wessen Gedanken ständig um das nächste Glas kreisen, sollte sich dringend Hilfe holen. Nach dem körperlichen Entzug rät Sandra Wendl dringend auch die ambulante Gesprächstherapie durchzuführen: „Wer sich seinen Problemen nicht stellt, wird sehr wahrscheinlich die eine Sucht durch eine andere ersetzen oder rückfällig werden.”

Gemeinsam kann man Probleme besser meistern

In der ambulanten Therapie findet jede Woche eine Einzelsitzung mit dem jeweiligen Therapeuten statt und eine Gruppensitzung mit anderen Betroffenen. „Anfangs empfinden viele die Gruppensitzung als unangenehm, da man sich nicht gerne mit seinen Problemen vor anderen outen möchte. Im Laufe der Zeit wird die Gruppe aber für die meisten zu einer wichtigen Stütze”, betont Wendl. Denn gerade im Alltag gibt es viele Situationen, in den man mit dem Genuss von Alkohol konfrontiert wird. Es tut gut, von anderen zu erfahren, wie sie diese Situationen meistern. Hier werde es deutlich, dass man mit seinem Problem nicht alleine dastehe, dass es kein persönliches Versagen sei sondern eben Teil der Krankheit, die man gemeinsam besser meistern könne als alleine. Hier lerne man auch mit seinen Gefühlen umzugehen, sie zuzulassen und Strategien zu entwickeln, wie man mit schwierigen Situationen umgehen könne, ohne zur Flasche zu greifen, berichtet Sandra Wendl.

Die Teilnahme an der Therapie ist kostenlos, die Therapeuten unterliegen der Schweigepflicht, so dass man sich hier sicher und geborgen fühlen darf. Das Blaukreuz-Zentrum bietet neben den Sprechstunden in Ottobrunn auch Außensprechstunden in Sauerlach und Oberhaching an. Diese finden statt im Rathaus Sauerlach in der Bahnhofstr. 1 an jedem 2. und 4. Dienstag von 9 bis 12 Uhr (nur nach tel. Terminvereinbarung) und in Oberhaching im Familienzentrum an jedem 1. und 3. Mittwoch von 11 bis 13 Uhr bei der Nachbarschaftshilfe im Innerer Stockweg 1 (ebenfalls nach tel. Vereinbarung). Termine kann man beim Blaukreuz-Zentrum in Ottobrunn unter Tel. 089/66593560 oder per E-Mail: suchtberatung-ottobrunn@blaues-kreuz.devereinbaren. Wer mehr über die Angebote des Blaukreuz-Zentrums erfahren möchte, findet weitere Infos unter www.blaues-kreuz.de/bkz-muenchen.

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