Die evangelisch-lutherische Auferstehungskirche setzt ein Zeichen für den Klimaschutz. Auf dem Dach der 1931 eingeweihten Kirche erzeugt seit Ende August eine Photovoltaikanlage mit 65 Kilowatt Leistung umweltfreundlichen Solarstrom. Daran gekoppelt sind zwei Batteriespeicher mit jeweils 30 Kilowattstunden Speicherkapazität. Mit 800 Plätzen ist die Auferstehungskirche eine der größten evangelischen Kirchen in München. Sie betreibt nun eine der größten Solarstromanlagen auf Kirchengebäuden in der Landeshauptstadt. „Die Photovoltaikanlage ist ein wichtiger Schritt, um unsere Kirche umwelt- und klimafreundlicher zu machen“, sagt der geschäftsführende Pfarrer Claus-Philipp Zahn.
Die Photovoltaikanlage ist Teil eines umfassenden Modernisierungs- und Klimaschutzprojektes der Auferstehungskirche. Neben ihrem geistlichen Angebot mit Gottesdiensten, Taufen und Hochzeiten hat die Auferstehungskirche sich zum Ziel gesetzt, ein Anlaufpunkt für alle Menschen im Westend zu sein und generell kulturell Interessierte anzusprechen. Deshalb finden schon seit ein paar Jahren in dem großen Kirchenraum regelmäßig kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte aus allen Musikrichtungen statt.
Außerdem hat die Kirchengemeinde ihr diakonisches Angebot ausgebaut. Aus „Westend kocht“, einem monatlichen Event zum gemeinsamen Kochen und Essen, wurde Anfang dieses Jahres das Projekt „Westend kocht und mehr“, das in Kooperation mit der Diakonie München und Oberbayern stattfindet. Bedürftige können hier unter anderem Beratung in Anspruch nehmen, außerdem gibt es gut erhaltene gebrauchte Kleidung aus dem Fundus der Diakonie. Eingeladen sind alle Menschen, die mit anderen gemeinsam kochen, essen und ein paar gesellige Stunden verbringen möchten.
Auch der Klimaschutz steht auf der Agenda der Auferstehungskirche. Die veraltete ineffiziente Luftheizung, die mit Erdgas betrieben wird, soll durch eine moderne Großwärmepumpe ersetzt werden. Während die Wärmepumpe noch in Planung ist, wurde die Photovoltaikanlage schon montiert.
Bevor es losgehen konnte, war viel Vorarbeit zu leisten. Erst einmal mussten Genehmigungen eingeholt werden, immerhin steht die Auferstehungskirche mit ihrer auffälligen Backsteinbauweise, der wertvollen Orgel und historischen Kunstwerken unter Denkmalschutz. So war eine Genehmigung nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz nötig. Die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt München erteilte die Genehmigung, machte aber Auflagen. Zum Beispiel, dass „monochrome dunkle Solarmodule ohne glänzende metallische Rahmungen“ verwendet werden. Der Modultyp war vor Beginn der Montage zur Abnahme bei der Behörde vorzulegen. Weiterhin durften die beiden Flächen des Satteldachs über dem Kirchenschiff nicht voll belegt werden.
„Unser Ansprechpartner bei der Denkmalschutzbehörde war sehr kooperativ und hat uns viele gute Tipps gegeben“, sagt Kirchenvorstand Georg Ledig, der das Projekt leitet. „Das gleiche gilt für das Kirchengemeindeamt und das Landeskirchenamt.“ Vor Beginn der Montage der Solarmodule segnete Pfarrer Zahn die Monteure und wünschte ihnen Schutz und sicheren Tritt auf dem Dach.
Ein solches Projekt ist kein leichtes Unterfangen, das verschweigen die Projektverantwortlichen nicht. Eine Photovoltaikanlage bedeutet eine zusätzliche Last für das Dach. Deshalb ist eine Prüfung der Statik vorab Voraussetzung. Diese ist umso wichtiger, wenn der Dachstuhl und die Ziegel von 1931 sind. Das Photovoltaik-Projekt wurde deshalb zum Anlass genommen, das Dach gründlich zu inspizieren und zunächst einmal Schäden wie morsche Dachlatten zu beheben.
Weiterhin brauchte es eine Genehmigung der Stadt zum Aufstellen des 20 Meter langen und acht Meter hohen Gerüstes auf dem Gehweg der Geroltstraße. Wie lange die Montage dauert, ist schwer exakt zu planen, da Umstände wie Regen die Installation verzögern können. Jede Verzögerung führt zu neuen Anträgen und zusätzlichen Kosten.
Mitte Juli konnte es endlich losgehen mit der Montage. Im ersten Schritt installierte der beauftragte Solarfachbetrieb Neue Energie Anlagen (Neag) im Keller die Wechselrichter und Batteriespeicher. Im August ging es mit den Solarmodulen auf dem Kirchendach weiter. Das Team montierte auf der Ostseite zur Geroltstraße hin unter dem First zwei Reihen mit insgesamt 34 Modulen. Auf der Westseite, zum Innenhof hin, fanden die übrigen 96 Module Platz.
Ende August ist die Anlage in Betrieb gegangen. Der erzeugte Solarstrom wird im ersten Schritt soweit wie möglich in der Kirche, dem Gemeindehaus, dem Pfarrhaus und der Mesnerwohnung verbraucht. Der Strom, der nicht direkt verbraucht werden kann, wird in den beiden Batteriespeichern zwischengespeichert. Nur der dann noch überschüssige Solarstrom wird gegen eine Einspeisevergütung in das öffentliche Netz eingespeist. Durch den selbst produzierten Solarstrom wird die Kirche künftig deutlich weniger klimaschädliche Treibhausgasmissionen verursachen. Außerdem kann die Kirchengemeinde beträchtliche Energiekosten einsparen. Und die sind aktuell hoch, zumal die alten Gebäude schlecht gedämmt sind. Allerdings sorgen auch die Events wie Candlelight-Konzerte für zusätzlichen Stromverbrauch.
Ein Beispiel für den Stromverbrauch: In dem Zeitraum vom 5. Dezember 2023 bis zum 9. Januar 2025, also in knapp 13 Monaten, wurden 34.673 Kilowattstunden Strom für alle Gebäude und den Betrieb der Luftheizung verbraucht. Bei einem Preis von 34,35 Cent waren das rund 11.910 Euro brutto.
Sobald die Wärmepumpe installiert ist, soll auch deren Stromverbrauch soweit wie möglich solar gedeckt werden. Dann reduzieren sich auch die hohen Heizkosten. Wie hoch diese sind, zeigt beispielhaft der Abrechnungszeitraum 1. April 2024 bis 31. März 2025. In der Zeit wurden in der Kirche, im Pfarrhaus, Gemeindehaus und in der Mesnerwohnung 241.233 Kilowattstunden Erdgas verbraucht. Die Kosten beliefen sich auf rund 29.600 Euro.
Die Photovoltaikanlage dürfte auch im Sinne der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) sein. Am 1. Juli 2024 trat das Klimaschutzgesetz der bayerischen Landeskirche in Kraft. Damit setzt die ELKB die Klimaschutzrichtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) um. Demnach soll in allen Landeskirchen eine CO2-Reduktion um 90 Prozent bis 2035 und eine vollständige CO2-Neutralität bis 2045 erreicht werden. Zudem soll der Kostenanstieg im Gebäudeunterhalt gebremst werden, der vor allem in den Bereichen Stromversorgung und Wärmeerzeugung entsteht. Alle Kirchengemeinden sind aufgerufen, ihren Beitrag dazu zu leisten. „Die Auferstehungskirche hat einen ersten großen Schritt zum Erfüllen der Ziele getan, weitere werden folgen“, sagt Pfarrer Claus-Philipp Zahn.
Die Auferstehungskirche im Westend arbeitet seit 2020 in einem Verbund mit drei evangelischen Gemeinden in Sendling, Obersendling und Sendling-Westpark eng zusammen. Dies sind die Gethsemanekirche, die Passionskirche und die Himmelfahrtskirche. Informationen zum Angebot der vier Kirchengemeinden sind im Internet unter https://wesentlich-evangelisch.de/ zu finden.