München macht einen weiteren Schritt hin zu mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Damit Menschen mit Behinderung besser über ungesicherte Straßenübergänge kommen, hat die Stadt ein Pilotprojekt in Freiham durchgeführt, dessen Ergebnisse auch für andere Stadtteile – unter anderem die Innenstadt – wichtig sind.
In der Roman-Herzog-Straße, auf Höhe der Hausnummer 13, hat das Baureferat den Randstein in zwei unterschiedliche Bereiche aufgeteilt. Der eine Teil ist auf Fahrbahnniveau abgesenkt (Nullabsenkung), damit er mit Rollstuhl oder Rollator sicher und bequem überquert werden kann. Der zweite Bereich weist gegenüber dem Fahrbahnniveau eine Erhöhung von sechs Zentimetern auf. Dadurch kann er beispielsweise von sehbeeinträchtigten Nutzern gut ertastet werden. Zudem zeigt ihnen ein zweireihiger, vor dem Richtungsfeld unterbrochener Streifen aus weißen Bodenindikatoren an, dass es sich um eine ungesicherte Querung handelt (siehe Foto).
Das Projekt haben nur Fachleute des Baureferats, des Mobilitätsreferats, des Behindertenbeirats, des städtischen Beraterkreises für barrierefreies Planen und Bauen sowie weiterer Fachstellen begutachtet. Im Mittelpunkt stand dabei eine gemeinsame Begehung und Prüfung dieser sogenannten „differenzierten Querung“ unter Realbedingungen.
Mehrere solcher differenzierter Querungen sind unter anderem für die Augustenstraße vorgesehen, die noch bis Ende 2027 umgestaltet wird. Auf diese Weise kommt der neue bauliche Standard sowohl in einer Quartierslage wie Freiham als auch in einem hochfrequentierten Innenstadtbereich wie der Maxvorstadt erstmals zum Einsatz. Ziel ist es, sichere und gut nutzbare Querungen auch dort zu ermöglichen, wo es keine Ampel oder keinen Zebrastreifen gibt. Außerdem will man damit „ein deutlich besseres Barrierefreiheitsniveau im öffentlichen Verkehrsraum” erreichen, so die Stadt.
An vielen Ampeln und Zebrastreifen gibt es die auf Null abgesenkten und die sechs Zentimeter hohen Bordsteine bereits seit 2023. „Für ungesicherte Querungsstellen wie Mittelinseln oder Gehwegnasen (Bauliche Abgrenzungen zur Straße, links und rechts von Fußgängerübergängen, Anm. d. Red.) galt dieser Standard bislang nicht”, erklärt Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer: „Umso mehr freut es mich, dass wir dieses Modell im Auftrag des Stadtrats im Rahmen des Pilotprojekts erfolgreich getestet und als Standard etabliert haben.“
„Für diese Art der Querung wird eine Breite von mehr als 3,50 Metern benötigt. Darüber hinaus ist ausreichend Platz erforderlich, um sicher an der Querung warten zu können. Mit dieser Lösung erreichen wir einen weiteren Fortschritt beim Thema Barrierefreiheit – nutzer- und ortsbezogen“, sagt Daniela Maier, die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stadt. Mobilitätsreferent Georg Dunkel fügt hinzu: „Auch Personen mit Kinderwagen und Koffern oder ältere Menschen profitieren davon. Ich freue mich, dass wir dieses Modell nun auch an einfachen Querungen, ohne Ampel oder Zebrastreifen, anwenden.“