„Doppelt unsichtbar” bis 30. April

Mit einem Plakat gegen Rassismus: Dieses Werk ist im Guardini90 zu sehen. (Foto: Mädchentreff Blumenau)
Mit einem Plakat gegen Rassismus: Dieses Werk ist im Guardini90 zu sehen. (Foto: Mädchentreff Blumenau)
Mit einem Plakat gegen Rassismus: Dieses Werk ist im Guardini90 zu sehen. (Foto: Mädchentreff Blumenau)
Mit einem Plakat gegen Rassismus: Dieses Werk ist im Guardini90 zu sehen. (Foto: Mädchentreff Blumenau)
Mit einem Plakat gegen Rassismus: Dieses Werk ist im Guardini90 zu sehen. (Foto: Mädchentreff Blumenau)

Mit einer bemerkenswerten Ausstellung kommt der Mädchentreff Blumenau in das Stadtteilkulturzentrum Guardini90 (Guardinistr. 90): „Doppelt unsichtbar” zeigt, wie Rassismus und Sexismus im Alltag von Mädchen und jungen Frauen verwoben sind und wie ihre Perspektiven immer wieder unsichtbar gemacht werden. Die Teilnehmerinnen setzen sich mit ihren Erfahrungen auseinander und fordern durch künstlerische Ausdrucksformen Sichtbarkeit und Raum ein. Die Vernissage ist am Freitag, 27. März.

Ausgangspunkt von „Doppelt unsichtbar” ist die Erfahrung einer doppelten Unsichtbarkeit: als Mädchen und als von Rassismus betroffene Personen. Viele der Beteiligten erleben Ausgrenzung, Abwertung und Gewalt: in der Schule, auf der Straße, in sozialen Medien und in Institutionen. Gleichzeitig wird ihre Wahrnehmung oft infrage gestellt oder vollständig ignoriert. Ein Großteil der Mädchen im Mädchentreff Blumenau bringt eigene Migrationsgeschichten mit. Daraus wächst eine tiefe Solidarität mit anderen Betroffenen, mit Freundinnen, Müttern, Schwestern und allen, die von struktureller Diskriminierung betroffen sind.

Vielfältige Vorschläge

Die Idee zur Ausstellung entstand aus Gesprächen und Beobachtungen. Immer wieder berichteten Mädchen von rassistischen Anfeindungen, Ausgrenzung und dem Gefühl, nicht gehört oder ernst genommen zu werden. Die Besucherinnen des Mädchentreffs sind zwischen neun und siebzehn Jahre alt, entsprechend vielfältig waren ihre Vorschläge. In den gemeinsamen Gesprächen wurde jedoch schnell deutlich, dass es allen wichtig war, über die Verbindung von Rassismus und Sexismus zu sprechen, also über die doppelte Unsichtbarkeit, die viele Mädchen im Alltag erleben.
Daraus entstand der Titel „Doppelt unsichtbar”.

„Was fühle ich dabei?”

Die Ausstellung beginnt mit zwei großformatigen Plakaten. Sie bilden den thematischen Rahmen. Das erste Werk trägt den Titel „Was ist Rassismus für mich?”. Es zeigt die persönlichen Definitionen der Mädchen und verdeutlicht, wie unterschiedlich und vielschichtig sie das Thema begreifen. Das zweite Plakat trägt den Titel „Was fühle ich dabei?”. Die Mädchen zeigen, welche Gefühle Rassismuserfahrungen in ihnen auslösen.

Ein weiteres Werk widmet sich dem Thema Kolonialismus und Raubkunst. Gemeinsam setzten sich die Mädchen mit der Frage auseinander, was Kolonialismus bedeutet und welche Auswirkungen er bis heute hat. Aus dieser Auseinandersetzung entstand ein Töpferprojekt, in dem die Mädchen Masken aus Ton gestalteten. Jede Maske steht symbolisch für Raubkunst und verweist auf das fortbestehende Unrecht kolonialer Besitzverhältnisse.

Collage und Graffiti

Zudem ist eine gemeinsam gestaltete Collage zu sehen, die unter anderem Pionierinnen aus der antirassistischen Bewegung darstellt. Gedanken und Botschaften der Mädchen und jungen Frauen finden sich auf Stickern wieder, die in Form eines Bildes präsentiert werden. Zusätzlich ist ein Graffiti zu sehen, denn: Graffiti war und ist eine Form des Widerstands gegen Ausschluss, Rassismus und Ungleichheit. Gleichzeitig ist die Graffiti-Szene bis heute stark männlich geprägt. Frauen und Mädchen, die sprühen, müssen sich oft doppelt behaupten. Mit ihren eigenen Handabdrücken gestalteten die jungen Künstlerinnen darüber hinaus Leinwände. Jede Hand steht für eine individuelle Geschichte und zugleich für ein gemeinsames Zeichen von Präsenz und Zusammenhalt.

Das Ende der Ausstellung bildet ein großes Mitmach-Plakat mit der Frage: Was muss sich verändern? Die Besucherinnen sind eingeladen, eigene Gedanken, Erfahrungen und Forderungen zu teilen, zum Beispiel in Form von Worten, Zeichnungen oder kurzen Botschaften.

Das Guardini90 stellt als Kooperationspartner im Rahmen des Pilotprojekts „Netzwerk Engagement im Stadtteil” dem Mädchentreff Blumenau den Raum und die Plattform zur Verfügung. Weitere Infos dazu gibt es unter www.nest-muenchen.com.

„Wir tragen keine Schuld”

Das sagen die Mädchen und jungen Frauen zu „Doppelt unsichtbar”:

„Junge Menschen haben die Verantwortung, laut zu werden, wenn Diskriminierung passiert.“
„Wir wollen unsere Perspektive in die Welt tragen und unsere Wahrnehmung gesellschaftlicher Missstände nicht nur von Erwachsenen bestimmen lassen.“
„Das Verständnis von Rassismus hat uns geholfen zu begreifen, dass wir nicht allein sind, dass wir keine Schuld tragen und dass wir uns wehren können.“
„Wenn du Rassismus erlebst, brich dein Schweigen. Rede darüber. Nur so kannst du aus der Scham kommen.“

Öffnungszeiten

Eröffnet wird „Doppelt unsichtbar” am Freitag, 27. März, um 18 Uhr. Zu sehen ist die Ausstellung bis einschließlich Donnerstag, 30. April, zu folgenden Zeiten (nicht in den Schulferien):

  • montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr
  • donnerstags zusätzlich von 17 bis 19 Uhr

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