Geschichte zum Anschauen, Anfassen und Ausprobieren bieten das AschheiMuseum und der Bajuwarenhof Kirchheim in ihrer neuen Veranstaltungsreihe. Zum Thema „Textilhandwerk im frühen Mittelalter” gibt es eine Sonderausstellung, Vorträge, Workshops und Vorführungen. Die Reihe, die vom 3. Mai bis Ende September läuft, soll historische und archäologische Themen einem breiten Publikum zugänglich machen.
Mit „frühem Mittelalter” sei ungefähr das 6. bis 8. Jahrhundert gemeint, erläutert Anja Pütz, die Leiterin des AschheiMuseums. Es war die Zeit des Übergangs vom Römischen zum Fränkischen Reich unter den Merowingern und den Karolingern - und die Zeit, in der das Volk der Bajuwaren im heutigen Südbayern lebte. Die meisten Funde im AschheiMuseum (Münchner Straße 8/Eingang Herdweg) stammen aus jener Epoche, der sich auch das Freilichtmuseum Bajuwarenhof Kirchheim (Bajuwarenstraße 11) widmet. Da lag es nahe, sich für das gemeinsame Themenjahr der beiden Einrichtungen auf das frühe Mittelalter zu konzentrieren. Die Bandbreite an Textilien war schon damals groß - sie reichte von einfacher Alltagskleidung, die die meisten Menschen selbst anfertigten, bis zu kompliziert gemusterten oder sogar mit Gold verzierten Gewändern, die eher aus der Hand von Spezialisten stammten.
Am vergangenen Wochenende ist der Bajuwarenhof in die neue Saison gestartet. Rund 300 Personen kamen auf das Gelände, auf dem ein landwirtschaftliches Gehöft aus der Zeit des 6. bis 8. Jahrhunderts rekonstruiert worden ist, das nun bei Führung erkundet werden durfte. „Das Interesse war groß”, berichtet Jennifer Bagley, die Leiterin des Freilichtmuseums. Auch in den kommenden Wochen und Monaten gibt es auf dem Bajuwarenhof jede Menge Geschichte zum Anschauen und Anfassen. Das Thema „Textilhandwerk im frühen Mittelalter” ist in mehreren Hinsichten greifbar. Zum einen gehörten Kleidung und Stoffe für die Menschen damals genauso zum Alltag wie heute. Zum anderen wird es bei verschiedenen Vorführungen einiges zum Anfassen geben, ob nun Wolle oder daraus entstandene Textilien, verspricht Bagley.
Die Vorführungen am Bajuwarenhof starten am Sonntag, 3. Mai. Von 11 bis 17 Uhr geht es unter dem Titel „Und jeder Faser wohnt ein Zauber inne” um textile Rohstoffe - neben Schafwolle auch Leinen-, Nessel- und Hanffasern. Am Sonntag, 21. Juni, steht dann das Färben mit Pflanzen im Mittelpunkt - und damit Gewächse wie der Färberkrapp, der Rot in vielen Nuancen ergibt, oder Reseda, eine historische Pflanze, die für Gelbtöne verwendet wurde. Schließlich kann man am Sonntag, 12. Juli, das Kardieren und Spinnen live miterleben. Alle Vorführungen sind grundsätzlich für alle Altersklassen geeignet und können kostenlos besucht werden.
Etwas anspruchsvoller sind die beiden an Jugendliche und Erwachsene gerichtete Workshops, die der Bajuwarenhof in diesem Sommer ebenfalls anbietet. Am Samstag, 20. Juni, dürfen Interessierte selbst Wolle mit den genannten historischen Pflanzen wie Krapp oder Reseda färben - und am Samstag, 19. September, im Meilerhaus Heimstetten mit Brettchen weben wie einst die alten Bajuwaren. Während diese Webtechnik hierzulande fast vergessen ist, wird sie in Skandinavien bis heute ausgeübt. Für die beiden kostenpflichtigen Workshops ist eine Anmeldung unter www.bajuwarenhof.de erforderlich.
Ergänzend zur Praxis am Bajuwarenhof bietet das AschheiMuseum die Theorie mit drei Vorträgen im Walter-Haupt-Saal, die kostenlos und ohne Anmeldung besucht werden können. Am Mittwoch, 13. Mai, geht es um 18 Uhr zunächst um die „untersuchende Restaurierung zu archäologischen Textilien”. Wie Museumsleiterin Anka Pütz erklärt, sind Textilien recht selten in archäologischen Funden erhalten - und wenn, dann meist nur als kleine Reste zum Beispiel an Gürtelschnallen oder Fibeln, also metallenen Gewandnadeln. Doch jedes Fundstück gewährt neue Einblicke in das Leben der Menschen vor über 1.000 Jahren, auch weil sich die Möglichkeiten zur Untersuchung immer weiterentwickeln. Beispiele für Textilfunde präsentiert das AschheiMuseum vom 13. Mai bis 4. Oktober in einer Sonderausstellung. In der Museums-App ist ab 13. Mai eine Führung dazu abrufbar.
Das vollständige Programm der Reihe „Textilhandwerk im frühen Mittelalter” mit weiteren Informationen finden Interessierte online unter www.aschheimuseum.de und www.bajuwarenhof.de.