Seit Jahrzehnten engagieren sich Marianne und Klaus Weinzierl für die Münchner Erinnerungsarbeit und rekonstruieren Einzelschicksale des NS-Unrechts. Für diesen bemerkenswerten ehrenamtlichen Einsatz hat die Stadt das Ehepaar jetzt ausgezeichnet. Klaus Weinzierl erhielt die Medaille „München leuchtet – Den Freundinnen und Freunden Münchens” in Silber. Seine Frau Marianne, die diese Auszeichnung aufgrund ihrer langjährigen Mitgliedschaft im Bezirksausschuss 12 bereits bekommen hatte, wurde mit einem Münchner Kindl aus Porzellan geehrt. Bürgermeisterin Verena Dietl überreichte die Auszeichnungen im Rathaus.
„Die Schrecken des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, bleibt für die Stadt München eine zentrale Aufgabe”, sagt Bürgermeisterin Verena Dietl. Wenn man das Schicksal der Opfer kenne, könne man das Unrecht und die Grausamkeit des NS-Regimes genauer begreifen. „Genau hier setzt die Arbeit von Marianne und Klaus Weinzierl an”, so Dietl weiter: „Sie rekonstruieren Einzelschicksale mit großer Detailgenauigkeit und halten so das Bewusstsein am Leben, dass sich die Schrecken der Vergangenheit nicht wiederholen dürfen. Für dieses großes ehrenamtliche Engagement ist die Stadt München zutiefst dankbar.”
Marianne Weinzierl hatte sich schon früh zum Ziel gesetzt, an ausgelöschtes jüdisches Leben im Stadtbezirk Schwabing-Freimann zu erinnern. Lange bevor es Stolpersteine und Erinnerungszeichen gab, bot sie Führungen zu den Häusern ermordeter jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger an. Auch die Benennung des Beruflichen Schulzentrums in der Antonienstraße nach Alice Bendix, der letzten Leiterin des dortigen jüdischen Kinderheims, die mit sieben Kindern nach Auschwitz in den Tod ging, geht auf ihr Engagement zurück.
Ein weiteres bedeutendes Projekt betreibt das Ehepaar seit 2018. Sie recherchieren zu den Schicksalen früherer Mitarbeitern der Münchner Kammerspiele, die in der NS-Zeit verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. Inzwischen haben die Weinzierls mehr als 360 Lebensgeschichten rekonstruiert. Ihre Erkenntnisse verbreiten sie auf verschiedensten Wegen: Sie bieten nicht nur Lesungen und Gedenkveranstaltungen an, sondern auch eine Podcast-Serie. Selbst eine öffentliche Forschungsbibliothek in den Kammerspielen wurde mittlerweile eingerichtet und im Mai 2025 eröffnet.