Nach sechzehn Jahren, elf Niederlagen und drei Remis gelingt dem TSV 1860 München erstmals wieder ein Sieg über den F.C. Hansa Rostock. Den 1:0 (0:0)-Heimerfolg im Verfolgerduell sicherte ein umstrittener Handelfmeter. Nach der Niederlage brannten den Gästen von der Ostsee vor 15.000 Zuschauern im ausverkauften Grünwalder Stadion die Sicherungen durch. Amir Shapourzadeh, der Direktor Profifußball bei den Hanseaten, stürmte mit dem Schlusspfiff wie von der Tarantel gestochen auf das Spielfeld, um das Unparteiischen-Gespann wild schreiend zur Rede zu stellen. Dabei hatte Schiedsrichter Luca Jürgensen, der mit einer sogenannten „RefCam“ (Schiedsrichterkamera) ausgestattet war, vor der Partie im Interview mit dem Sender „Magentasport“ noch erklärt: „Ich hoffe, dass ich Einblicke und Verständnis für die Arbeit als Schiedsrichter schaffen kann. Die Zuschauer, Schiedsrichter und Spieler sollen einen Einblick bekommen wie das aus meiner Perspektive aussieht. Die verschiedenen Positionen auf dem Platz sollen klar werden und wie schwierig das dann manchmal ist.“ Shapourzadeh erhielt jedenfalls für seine temperamentvolle Ansprache die Rote Karte gezeigt.
Den Zorn des 43-Jährigen hatte eine Entscheidung unmittelbar nach dem Wiederanpfiff erregt: Verteidiger Ahmet Gürleyen sprang hoch, um eine Flanke von David Philipp abzuwehren, und spreizte dabei den Ellbogen ab, an dem der Ball hängen blieb. Der Unparteiische aus Hamburg zeigte nach einem Blick zum Linienrichter auf den Punkt. Tatsächlich ist das Abspreizen der Ellenbogen ein zentrales Kriterium für die Bewertung eines regelwidrigen Handspiels. Wird der Ellenbogen seitlich vom Körper abgespreizt, liegt nach derzeit gültigem Reglement eine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche und eine bewusste Inkaufnahme des Risikos vor, vom Ball getroffen zu werden. Löwen-Kapitän Thore Jacobsen war das Zustandekommen des Elfmeters egal. Er schaute Hansa-Schlussmann Benjamin Uphoff aus und schlenzte den Ball zum 1:0 mittig in die Maschen (47. Min.),
Die Rostocker blieben über weite Strecken der Begegnung offensiv ohne Durchschlagskraft und besaßen lediglich in der Schlussphase zwei gute Möglichkeiten zum Ausgleich. Im ersten Durchgang hatten sich beide Teams neutralisiert. Die tief stehenden Münchner Löwen verengten die Räume für den F.C. Hansa und versuchten, über schnelles Umschaltspiel zu Torgelegenheiten zu kommen. Doch mehr als ein Kopfballversuch von Siemen Voet, der knapp am Pfosten vorbeirauschte (11. Min.), war für die Giesinger nicht drin. „Wir haben eine andere Konstellation in der Offensive gewählt, um Tempo in den Umschaltmomenten zu haben.” Deswegen sei die Entscheidung für David Philipp und gegen Patrick Hobsch im Angriff ausgefallen, so 1860-Trainer Markus Kauczinski, dessen Taktik in der ersten Halbzeit jedoch nur streckenweise aufging. „Aber wir haben gut verteidigt, nichts zugelassen und waren geduldig.“
Nach dem Rückstand intensivierte Hansa seine Offensivbemühungen, wurde aber nicht wirklich gefährlich. In der Schlussviertelstunde hatte die Gäste mehrfach Glück, dass die Münchner ihre Kontergelegenheiten nicht sauber ausspielten. Die größte Chance auf den Ausgleich vergab der eingewechselte David Hummel in der 86. Minute. Seit vier Spielen warten die Mecklenburger mittlerweile auf einen Sieg. Einen Grund, sich über eine vermeintliche Benachteiligung durch die Unparteiischen zu empören, haben sie laut Statistik nicht. Bei der „Kogge” halten sich Bevorzugungen und Benachteiligungen in der laufenden Spielzeit exakt die Waage. Am kommenden Wochenende empfängt der F.C. Hansa in einem weiteren Duell im Verfolgerfeld Rot-Weiss Essen. Bereits am Freitagabend ist der TSV 1860 München bei der Zweitvertretung der TSG Hoffenheim im Dietmar-Hopp-Stadion in Sinsheim am Ball. (as)