Im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd kam es im ersten Quartal des Jahres 2026 wiederholt zu einer Vielzahl von betrügerischen Anrufen. Auch wenn die Polizei seit Jahren regelmäßig davor warnt, hatten die Täter in einigen Fällen Erfolg und erbeuteten hohe Summen Bargeld bzw. Wertgegenstände. Erfreulicherweise gelang es allerdings auch, die Vollendung von Betrugstaten zu verhindern sowie Abholer festzunehmen.
Von Januar bis März dieses Jahres wurden zahlreiche Bürgerinnen und Bürger im südlichen Oberbayern von betrügerischen Anrufern kontaktiert. Bei dem sogenannten „Schockanruf“ wird den potentiellen Opfern am Telefon von unbekannten Betrügern der Eindruck vermittelt, dass es sich bei den Anrufern um einen Rechtsanwalt, einen Polizeibeamten oder einen Staatsanwalt handeln würde. Dabei geben die Unbekannten sehr nachdrücklich an, dass ein naher Angehöriger des Angerufenen auf Grund eines verschuldeten schweren Verkehrsunfalls festgenommen wurde und die Bezahlung einer Kaution für dessen Freilassung nötig sei. Hierbei handelt es sich um dramatische Schilderungen, welche die vermeintlichen Opfer maximal unter Druck setzen sollen.
In einer anderen Masche spiegelt ein „falscher Polizeibeamter“ dem Angerufenen vor, dass in dessen Nachbarschaft eingebrochen wurde. Der „falsche Polizeibeamte“ überzeugt seine Opfer im weiteren Verlauf, an deren Wohnadresse aufbewahrtes Bargeld sowie Wertgegenstände zur Sicherung an einen Abholer zu übergeben. Der spätere Abholer wird als Polizeibeamter, Staatsanwalt, Gerichtsvollzieher oder ähnliche Amtsperson angekündigt.
Die Opfer dieser perfiden Maschen befinden sich durch den massiven Druck, der durch die Betrüger am Telefon erzeugt wird, in einer psychischen Ausnahmesituation und übergeben so regelmäßig liebgewonnene Schmuckgegenstände oder ihr erspartes Vermögen in Form von Bargeld oder Gold. Meisterns erfährt die Polizei erst im Nachhinein, dass die Betrüger Erfolg hatten.
So geschah es beispielsweise am 23. Februar 2026 in Holzkirchen. Die Wertgegenstände eines Ehepaares sollten laut der Betrüger als „Lockvogel“ dienen, um eine Diebesbande festzunehmen. Der Geschädigte holte dazu Gold aus seinem Bank-Schließfach und stellte dieses mit weiteren Schmuckstücken, insgesamt in Höhe eines sechsstelligen Betrags, am Parkplatz eines Supermarktes ab. Als das Ehepaar, wie zuvor mit den Betrügern am Telefon vereinbart, die hinterlegten Wertsachen bei der „echten“ Polizei abholen wollte, flog der Betrug auf.
In einem anderen Fall im Januar 2026 in Holzkirchen gab sich ein Betrüger am Telefon als falscher Krankenhausarzt aus. Dieser würde dringend einen hohen Geldbetrag für die Behandlungskosten der Tochter des Angerufenen benötigen. Es wurde dem Geschädigten vorgespiegelt, dass seine Tochter sich im Krankenhaus mit einer bösartigen Tumorerkrankung befinde. Der ältere Mann sammelte schließlich Goldmünzen und Schmuck im Gesamtwert eines mittleren fünfstelligen Eurobetrags zusammen und übergab es kurz darauf vor einer Apotheke an einen unbekannten Abholer. Der Geschädigte, wurde von den Betrügern anschließend aufgefordert in das Krankenhaus zu seiner Tochter zu fahren, bevor der Betrug bekannt wurde.
Für das erste Quartal 2026 registrierte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd 26 Fälle, bei denen die Täter Erfolg hatten und Bargeld bzw. Wertgegenstände im Gesamtwert von knapp 650.000 Euro ausgehändigt wurden. Einige Male konnte die Vollendung dieses perfiden Betrugs jedoch auch verhindert oder Betrüger festgenommen werden.
Beispielsweise am 14. Januar 2026 gerieten die Betrüger mit ihrer Masche, dass die Tochter einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht hätte, an den Falschen. Bei dem Angerufenen handelte es sich nämlich um einen pensionierten Polizeibeamten, der den Betrugsversuch sofort erkannte. Ihm gelang es, die Betrüger lange genug zu täuschen und gleichzeitig die Polizei zu kontaktieren. Ein Betrüger, der das Bargeld von seinem vermeintlichen Opfer kurz darauf abholen wollte, konnte daraufhin in Garmisch-Partenkirchen festgenommen werden.
Auch im März bemerkte eine Dame aus Rosenheim, dass Betrüger ihr eine unwahre Geschichte bzgl. eines tödlichen Verkehrsunfalls am Telefon schilderten. Sie kontaktierte gleichzeitig die Polizei und ein Tatverdächtiger konnte kurz vor der vermeintlichen Geldübergabe festgenommen werden.
Zum Glück bemerkte eine aufmerksame Nachbarin am 25. Februar 2026 in Huglfing (Lkr. Weilheim-Schongau), dass ihr älterer Nachbar gerade im Begriff war, nach einem Schockanruf eine größere Summe Bargeld an seiner Haustür an einen Unbekannten zu übergeben. Die Dame leuchtete dem Abholer an der Haustüre mit der Taschenlampe ins Gesicht und verschloss die Türe. Der Tatverdächtige ergriff noch vor der Übergabe des Geldes die Flucht. Da die Dame unverzüglich die Polizei informierte, konnte der vermeintliche Abholer jedoch in unmittelbarer Umgebung des Tatortes angetroffen und festgenommen werden. Weitere polizeiliche Ermittlungen führten zudem zu einem Hintermann, der einer Geldabholung (über 35.000 Euro) nach betrügerischen Anrufen im Bereich Landshut im Jahr 2025 verdächtig ist. Auch dieser Tatverdächtige wurde festgenommen.
Die Kriminalpolizei mit Zentralaufgaben des Polizeipräsidiums übernahm die Ermittlungen in allen Fällen. Weil damit zu rechnen ist, dass Betrüger auch weiterhin versuchen werden, auch im südlichen Oberbayern Beute zu machen, warnt die Kriminalpolizei und gibt Verhaltenstipps:
Übergeben Sie NIEMALS Bargeld oder Wertgegenstände an Ihrer Wohnadresse oder im öffentlichen Bereich an Ihnen unbekannte Personen!
Die Polizei sowie andere Ermittlungsbehörden würden Sie NIEMALS am Telefon zur Übergabe von Bargeld oder Wertgegenstände auffordern! Legen Sie sofort auf und kontaktieren Sie den Polizeinotruf „110“!
Sprechen Sie die Thematik Enkeltrick und Schockanrufe in Ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis an und sensibilisieren Sie Ihre Angehörigen zur Vorsicht in höchstem Maße!