Dass der Bogenhausener Anzeiger ab sofort auch in Ismaning erscheint, hat nun keine historischen Gründe. Anführen könnte man diese jedoch mit Fug und Recht, schließlich bildeten Ismaning, Unterföhring und große Teile des heutigen Münchner Stadtbezirks Bogenhausen jahrhundertelang die Grafschaft Ismaning. Dies ist nur einer von vielen Aspekten einer Sonderausstellung, die bis zum 12. April im Schlossmuseum Ismaning zu sehen ist.
Unter dem Titel „Ismaning - so schön und friedlich” widmet sich die Ausstellung der fast 500-jährigen Geschichte der Ismaninger Schlossanlage. „Dass in einem kleinen Bauerndorf wie Ismaning ein Schloss erbaut worden ist, ist schon etwas Besonderes”, berichtet Christine Heinz, die Kuratorin der Ausstellung. Heinz leitete 25 Jahre das Schlossmuseum. Seit drei Jahren ist sie im Ruhestand, aber nach wie vor als Kreisheimatpflegerin aktiv. Kürzlich hat die Historikerin ein neues Buch über die Ismaninger Schlossanlage veröffentlicht. Da sich dabei, vor allem durch die Digitalisierung von Archiven und Bibliotheken, immer wieder neue Erkenntnisse ergaben, entstand die Idee, die Sonderausstellung zu erstellen. Auch in bisher weniger bekannte Kapitel der Schlossgeschichte soll die Öffentlichkeit dabei einen Einblick erhalten.
„Die Anlage hat den Ort geprägt und ihm ein positives Ambiente verliehen”, erklärt Christine Heinz. Wer in Ismaning unterwegs ist, kann den Schlosspark kaum übersehen. Sowohl Verwaltung als auch Kultur haben hier ihren Platz: Im Schloss selbst ist das Rathaus untergebracht, nebenan findet man mit dem Schlossmuseum, dem Kallmann-Museum und der Galerie im Schlosspavillon gleich drei Museen. Die Ismaninger Schlosskonzerte gehören zu den bedeutendsten Konzertreihen der Region. Doch das war nicht immer so: Noch vor wenig mehr als 100 Jahren war der Schlosspark nicht öffentlich zugänglich und gehörte der Stadt München. Zuvor war das Schloss unter anderem Jagdschloss der Freisinger Fürstbischöfe, Eigentum des Stiefsohns von Napoleon Bonaparte und im Besitz eines Glasfabrikanten gewesen.
Aber der Reihe nach: 1319 verkaufte der römisch-deutsche König Ludwig der Bayer die Orte Ismaning, Unterföhring, Oberföhring, Englschalking und Daglfing an Bischof Konrad III. von Freising. So entstand die „Grafschaft auf dem Yserrain”, die zum Hochstift Freising gehörte und zunächst von Oberföhring aus verwaltet wurde. 1530 errichtete Bischof Philipp in Ismaning ein Renaissanceschloss mit vier Türmen. In der Folge wurde Ismaning zum Sitz der Grafschaft, die direkt dem Freisinger Fürstbischof unterstand und nicht zum Königreich Bayern gehörte - wobei die Wittelsbacher durchaus Einfluss nahmen, indem sie Familienangehörige auf den Bischofsstuhl brachten. Den Freisinger Herrschern diente Ismaning als Sommersitz und Jagdschloss. Besonderen Einfluss nahmen die Bischöfe Johann Franz Eckher und Johann Theodor von Bayern: Unter ihnen wandelte sich die kleine Anlage zur prachtvollen barocken Residenz mit großem Schlosspark.
Nach der Auflösung der Grafschaft Ismaning 1802 übernahm Ferdinand Freiherr von Hartmann die Schlossanlage. Er war ein Mitarbeiter des bayerischen Ministers und Staatsreformers Maximilian von Montgelas. Hartmann ließ einige Gebäude abreißen, dafür wurden das Gärtnerhaus, in dem sich heute das Schlossmuseum befindet, der Kutscherbau und mehrere Wohn- und Wirtschaftsgebäude errichtet. Zudem beauftragte Hartmann Friedrich Ludwig von Sckell, der den Englischen Garten in München geschaffen hatte, den Ismaninger Schlosspark in einen modernen Landschaftsgarten umzugestalten.
Eine neue Ära brach in Ismaning dann 1816 an: Eugène de Beauharnais, Sohn der französischen Kaiserin Joséphine und Stiefsohn von Napoleon Bonaparte, und seine Gattin Auguste Amalia, Tochter des bayerischen Königs Max I. Joseph, erwarben das Schloss. Das Ehepaar, zuvor Vizekönig und Vizekönigin von Italien, hatte nach dem Sturz Napoleons abgedankt und war nach Bayern geflohen. Als Herzog und Herzogin von Leuchtenberg nutzten Eugène und Auguste Amalia fortan Schloss Ismaning als Sommersitz. Ansonsten bewohnten sie den Palais Leuchtenberg am Münchner Odeonsplatz, heute Sitz des Bayerischen Finanzministeriums.
Die Anlage in Ismaning ließ das Herzogpaar gleich zweimal umgestalten und schuf - etwa mit dem Blauen und dem Roten Saal - „eines der schönsten Schlösser im Empirestil in Bayern”, wie Christine Heinz in ihrem Buch schreibt. „Die Leuchtenberg-Zeit hat die Anlage geprägt”, resümiert die Kuratorin. Hatten die Freisinger Bischöfe die Anlage als abgeschotteten Rückzugsort genutzt, entfaltete sich unter den Leuchtenbergs in Ismaning höfisches Leben, das von der französischen und italienischen Kultur beeinflusst wurde. So fanden große Jagdgesellschaften und sommerliche Feste statt, denen die einfachen Ismaninger Bürger zumindest als Zaungäste beiwohnten.
Vor allem Auguste Amalia, die ihren 1824 verstorbenen Ehemann um 27 Jahre überlebte, soll sich sehr gerne im Schloss aufgehalten haben, berichtet Christine Heinz in ihrem Buch. „Und ich vermisse Ismaning, so schön und so friedlich”, schrieb die Königstochter anno 1836 an ihre Stiefmutter, Königin Karoline von Bayern. Nach Augustes Tod 1851 erbte Sohn Maximilian die Anlage. Er hatte eine Tochter des russischen Zaren Nikolaus I. geheiratet und als Fürst in Russland kein Interesse mehr an der Anlage, die er Anfang 1852 veräußerte.
Nacheinander wurden nun ein Caféhausbesitzer aus München und drei Landadelige Eigentümer des Schlosses und des zugehörigen landwirtschaftlichen Betriebs. Im April 1899 überschrieb schließlich Johann Michael Ritter von Poschinger, ein Glasfabrikant aus dem Bayerischen Wald, das Schloss samt den Gütern Karlshof und Zengermoos der Stadt München. Die besaß nun ein Schloss in einer anderen Gemeinde, wollte das marode Gebäude aber wieder loswerden.
Ab 1903 diente das Schloss als Erholungsheim der Oberbayerischen Versicherungsanstalt: Mädchen und junge Frauen sollten hier, an der guten Ismaninger Landluft, ihre Lungenkrankheiten auskurieren. Nach dem Ersten Weltkrieg verkaufte die Stadt München die Liegenschaften dann an die Gemeinde Ismaning. Der Vertrag wurde am 15. November 1919 unterschrieben. 22 Ismaninger Bürger finanzierten den Kauf durch Darlehen.
Zunächst teilte die Gemeinde, nun zum ersten Mal Besitzerin der Anlage, die Schlossräume in Wohnungen auf. Ab der NS-Zeit zog nach und nach die Verwaltung des wachsenden Ortes ein. Seit Mitte der 1970er-Jahre wird Schloss Ismaning ausschließlich als Rathaus genutzt. Schloss, Nebengebäude und der Park, der erst Mitte des 20. Jahrhunderts für die Allgemeinheit geöffnet wurde, bilden heute ein denkmalgeschütztes Ensemble.
Noch detaillierter nachvollziehen können Interessierte die Geschichte von Schloss Ismaning vor Ort in der Sonderausstellung. „Sie ist so konzipiert, dass sie auch ohne Vorwissen besichtigt werden kann”, sagt Kuratorin Christine Heinz. So wird die Ausstellung regelmäßig von Schulklassen besucht. „Ismaning - so schön und friedlich” ist bis Sonntag, 12. April, zu den üblichen Öffnungszeiten des Schlossmuseums (Schloßstraße 3a) zugänglich: dienstags bis samstags von 14.30 bis 17 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist derzeit kostenfrei.
Im Rahmen der Sonderausstellung präsentiert das Ensemble „Freisinger Hofmusik” am Mittwoch, 4. März, um 19.30 Uhr Barockmusik des Wittelsbacher Hofes und der Freisinger Fürstbischöfe im Roten Saal des Ismaninger Schlosses. Die Musiker spielen auf typischen Instrumenten des 17. und 18. Jahrhunderts. Sie orientieren ihre Repertoireauswahl an den erhaltenen Inventaren der „fürstbischöfflich-freysingischen“ Hofkapelle, die 1803 aufgelöst wurde.
Der Eintritt kostet 15 Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Tel. 089/960900214 oder per E-Mail an schlossmuseum@ismaning.de.