SAVE steht für „Seniorinnen und Senioren aufsuchen im Viertel durch Expertinnen und Experten”. Susanne Illerhaus-Bange ist seit Juni 2024 als SAVE-Fachkraft im ASZ Westpark und auf festen Routen im Stadtteil Sendling-Westpark unterwegs, um die älteren Menschen dort zu treffen, wo sie sich regelmäßig aufhalten, also auf der Straße, auf Plätzen oder an anderen Örtlichkeiten (z.B. Geschäften). Hier sucht sie das Gespräch mit ihnen, zeigt konkrete Unterstützungsmöglichkeiten auf und versucht, verlässliche und stabile Beziehungen aufzubauen.
Sie sind die Mitarbeiterin des Projekts SAVE in Sendling-Westpark. Wofür steht SAVE genau?
Susanne Illerhaus-Bange: Ziel des Projekts ist es, die individuelle Lebenssituation der älteren Menschen nachhaltig zu verbessern und sie dabei zu unterstützen, dass sie so lange wie möglich selbstbestimmt zuhause leben können. Hierfür helfe ich ihnen bei ihrer Alltagsbewältigung und vermittle sie bei Bedarf an das ASZ oder weiterführende Hilfseinrichtungen. Es geht hierbei u.a. um die Beratung und Unterstützung in den Bereichen Gesundheit, Finanzen und Wohnen sowie um die Überwindung von Einsamkeit und Isolation.
Ebenfalls zur Arbeit als SAVE-Fachkraft gehört die Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit. Das bedeutet, dass ich mit allen Netzwerk- und KooperationspartnerInnen im Viertel, die einen Bezug zu älteren Menschen haben, in Kontakt trete und mich dort vorstelle und mit ihnen austausche. Dies betrifft z.B. Ärzte, Apotheken, Kirchengemeinden, Sanitätshäuser, Kontaktbeamte der Polizei und Beratungsstellen. Ich halte es für sehr wichtig, dass hier alle entsprechenden Stellen zusammenarbeiten und voneinander wissen, um die älteren Menschen gemeinsam bestmöglich unterstützen zu können.
Sie arbeiten als Sozialpädagogin im ASZ, welche Angebote bietet das ASZ an?
Susanne Illerhaus-Bange: m ASZ beraten sozialpädagogische Fachkräfte alle Seniorinnen und Senioren, die ihren Wohnsitz im Viertel haben sowie deren Angehörige kostenlos bei Fragen zu Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten (hauswirtschaftliche Hilfen, Hausnotruf, Essen auf Rädern, ambulante Pflegedienste, Wohnraumberatung, Umgang mit Behörden etc.) sowie persönliche Anliegen in belastenden Lebenssituationen.
Zur Unterstützung des sozialen Miteinanders bietet das ASZ einen sozialen Mittagstisch und zahlreiche regelmäßige Veranstaltungen wie z.B. Spielenachmittag, Tischtennis, Schach, Schafkopf und Kinonachmittage, interessante Vorträge und Ausflüge sowie zahlreiche Feste zum Mitfeiern an. Verschiedene Gruppen und Kurse bieten die Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren und Kontakte zu knüpfen, wie z.B. verschiedene Gesundheits- und Bewegungskurse und Sprach- und Kreativkurse.
Ein weiteres wichtiges Beratungs- und Hilfsangebot stellen die „Präventiven Hausbesuche“ dar. Dieses hat zum Ziel, ältere Menschen frühzeitig dabei zu unterstützen, möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben zu können. Für die Beratung kommen die ASZ-MitarbeiterInnen auf Wunsch auch gerne im Rahmen von Hausbesuchen zu den Menschen nach Hause.
Die Programmhefte liegen im ASZ aus und werden regelmäßig an Arztpraxen, Apotheken und verschiedene andere Einrichtungen im Stadtviertel verteilt.
Wer genau ist die Zielgruppe von SAVE?
Susanne Illerhaus-Bange: Die Zielgruppe von SAVE umfasst alle älteren Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtviertels, die aktuell einen Hilfebedarf vermuten lassen, sowie ältere Menschen ohne vorliegenden Unterstützungsbedarf, um diese über das Angebot der offenen Altenhilfe zu informieren. Komme ich mit Menschen in Kontakt, die nicht zur Zielgruppe gehören, bin ich ebenfalls für eine aktive und begleitende Vermittlung zu den passenden Hilfsangeboten zuständig.
Wie wird das Angebot im Stadtteil angenommen?
Susanne Illerhaus-Bange: Sehr gut! Ich bin positiv überrascht, wie offen und freundlich die allermeisten Seniorinnen und Senioren reagieren, wenn ich sie anspreche.
Die entstandenen Kontakte sind ganz unterschiedlich: Manche Kontakte sind eher flüchtig: Ich stelle mich vor und gebe mein Informationsmaterial wie ASZ-Programmheft, SAVE-Flyer und Visitenkarte weiter. Andere Kontakte führen gleich zu einer längeren und intensiven Unterhaltung. Dies hängt oft auch von äußeren Umständen ab - bei schönem Wetter komme ich leichter mit den Menschen ins Gespräch, wenn ich mich z.B. zu ihnen auf die Parkbank setzen kann.
Es haben schon mehrere der von mir angesprochenen Menschen bei uns angerufen und ich konnte ihnen bei einem oder mehreren Hausbesuchen oder einem Beratungstermin bei uns im ASZ weiterhelfen oder sie an meine Kolleginnen im ASZ weitervermitteln. Oder Menschen haben den SAVE-Flyer von Ärzten, Freunden oder Bekannten erhalten und daraufhin angerufen. Auch melden sich Ärzte in Absprache mit ihren PatientInnen bei uns, wenn sie den Eindruck haben, dass diese Unterstützung bräuchten.
Welche konkreten Bedürfnisse haben Sie bei älteren Menschen in Sendling-Westpark festgestellt?
Susanne Illerhaus-Bange: Ich habe den Eindruck, dass viele Seniorinnen und Senioren es sehr schätzen, dass ich ein offenes Ohr für sie habe und mir Zeit für ein Gespräch nehme. Für manche Menschen bin ich die Einzige, mit der sie seit Tagen sprechen können.
Aus den zahlreichen Gesprächen hat sich ergeben, dass ganz viele ältere Menschen unter Einsamkeit leiden. Hierfür gibt es verschiedene Gründe: Tod des Partners, fehlende Angehörige oder Angehörige, die berufstätig sind oder weit entfernt wohnen.
Ein weiteres häufiges Thema, das die Seniorinnen und Senioren im Viertel bewegt, sind gesundheitliche Fragen. Wenn sie körperlich nicht mehr in der Lage sind, den Alltag allein zu bewältigen, geht es um Fragen der Unterstützung im Haushalt durch eine Haushaltshilfe, Beantragung eines Pflegegrads, Essen auf Rädern, Installieren des Notfallknopfes, Hilfsmittel für zuhause usw.
Oft benötigen die Seniorinnen und Senioren auch Unterstützung bei behördlichen Angelegenheiten oder Beratung bzgl. einer gesetzlichen Betreuung.
Was macht das Projekt besonders?
Susanne Illerhaus-Bange: Ich denke, das Besondere an SAVE ist, dass dadurch auch die Menschen erreicht werden können, die das ASZ und die vorhandenen Hilfsangebote nicht kennen oder sich nicht trauen, das ASZ zu besuchen oder aus körperlichen Gründen dazu nicht in der Lage sind. Obwohl das ASZ ein sehr niedrigschwelliges Angebot ist, stellt der Komm-Charakter doch gerade für ältere Menschen ab und zu eine Hemmschwelle dar.
Welches Erlebnis ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Susanne Illerhaus-Bange: Es gibt nicht das eine besondere Erlebnis, sondern mich haben ganz viele Gespräche sehr berührt und ich bin jedes Mal von Neuem dankbar, dass so viele Menschen mir ihr Vertrauen schenken, mir ihre Lebensgeschichte erzählen und bereit und offen sind, meine Hilfe anzunehmen.
Ich möchte noch darauf hinweisen, dass es in weiteren 16 Alten- und Service-Zentren in München SAVE-Fachkräfte gibt, die in ihren Stadtvierteln unterwegs sind.
Das jeweils zuständige ASZ ist auf folgender Homepage zu finden: www.asz/muenchen.de.
Alle ASZ und auch das SAVE-Projekt werden von der Landeshauptstadt München eingerichtet und gefördert. Die Betriebsträgerschaft beim ASZ Westpark ist der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V.