Eine fotografische Reise ins jüdische Oberfranken

Der jüdische Friedhof in Aschbach. (Foto: Michael Graber)
Der jüdische Friedhof in Aschbach. (Foto: Michael Graber)
Der jüdische Friedhof in Aschbach. (Foto: Michael Graber)
Der jüdische Friedhof in Aschbach. (Foto: Michael Graber)
Der jüdische Friedhof in Aschbach. (Foto: Michael Graber)

Vom 15. bis 25. Oktober zeigt das Köşk (Zenettistr. 2) die Fotoausstellung „Häuser des Lebens, Orte der Stille“. Michael Graber, Leiter des Münchner Jugendinformationszentrums, ist im Juni mit Motorrad und Kamera durch Oberfranken gereist und hat jüdische Friedhöfe und Synagogen fotografiert. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Europäischen Janusz Korczak Akademie e.V. Der Eintritt ist frei.

Zunehmende Abwanderung

Jüdisches Leben fand im fränkischen Siedlungsraum über Jahrhunderte nicht nur in den Städten, sondern auch in zahlreichen Dörfern statt. Jüdische Gemeinden prägten das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben ihrer Orte und verfügten über eigene religiöse und soziale Strukturen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schrumpften viele dieser Landgemeinden. Dazu trugen die restriktive bayerische Gesetzgebung, Auswanderung und die zunehmende Abwanderung in die Städte bei. Der Matrikelparagraph von 1813 begrenzte die Zahl jüdischer Haushalte an einem Ort und wurde erst 1861 aufgehoben. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebten rund 71 Prozent der jüdischen Bevölkerung Bayerns in Städten.

Umgesiedelt und ermordet

Die Orte der Ausstellung erzählen diese Entwicklung exemplarisch: In Aschbach lebten 1880 noch 131 Menschen in der jüdischen Gemeinde, 1900 waren es 93 und 1933 noch 40. In Ermreuth lebten 1933 noch 21 Jüdinnen und Juden. Die nationalsozialistische Verfolgung bedeutete schließlich den gewaltsamen Bruch dieser Entwicklung. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Ermreuther Synagoge geschändet, jüdische Häuser wurden verwüstet und die verbliebenen jüdischen Einwohner zur Aufgabe ihres Ortes gezwungen. 15 Menschen wurden noch 1938 nach Nürnberg umgesiedelt und später deportiert und ermordet.
Friedhöfe, Grabsteine und Synagogen geben bis heute Auskunft über diese Geschichte. Sie sind Spuren jüdischer Gemeinden, die über Jahrhunderte Teil der Region waren.

Sichtbare Spuren

Michael Graber beschäftigt sich seit vielen Jahren mit jüdischer Geschichte und ist der Europäischen Janusz Korczak Akademie e.V. seit Langem verbunden. Bereits 2015 dokumentierte er auf einer ersten Fotoreise jüdische Friedhöfe und Synagogen in Mittel- und Unterfranken. Daraus entstand die Ausstellung „Das fränkische Jerusalem“. Im Juni 2026 setzte Graber das Projekt fort. Von Kronach aus besuchte er Ermreuth, Lisberg, Aschbach, Reichmannsdorf und Aufseß. Entstanden sind Fotografien von Synagogen und Friedhöfen – aus der Nähe, aus der Vogelperspektive und teilweise auch aus dem Inneren der Gebäude. Sie zeigen Grabsteine, Architektur und Landschaft und machen Spuren jüdischer Geschichte sichtbar.
Jüdisches Leben ist auch heute vielfältiger Bestandteil der Gesellschaft, steht jedoch vielfach unter besonderen Sicherheitsbedingungen. Die Ausstellung richtet den Blick deshalb nicht nur auf historische Orte, sondern auch auf die Frage, welche Spuren jüdischen Lebens bis heute sichtbar sind.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung im Köşk (Zenettistr. 2) ist Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr zugänglich. Eintritt frei.
Bei der Vernissage am Donnerstag, 15. Oktober, von 18 bis 21 Uhr gibt es einen Reisebericht von Michael Graber (Jugendinformationszentrum München), einen Vortrag von Jonas Mages (Europäische Janusz Korczak Akademie e.V.) und eine VR-Station mit den beiden Formaten „Jiddischhausen“ und „Wallachs Virtuell“, betreut von Fabio Jagla und Aron Schlemmer (Europäische Janusz Korczak Akademie e.V.).

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