Zum 39. Mal gibt es am Dienstag, 10. November, ein offizielles Gedenken für die jüdischen Menschen, die in den Jahren 1941 bis 1943 in einem Sammellager in Berg am Laim zusammengepfercht und von hier aus deportiert wurden. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Altersheim der Barmherzigen Schwestern von Vinzenz von Paul (St.-Michael-Straße 16). Interessierte sind willkommen.
Bis zu 320 Menschen wurden in der, von den Nationalsozialisten beschönigend „Heimanlage für Juden“, genannten Einrichtung gleichzeitig untergebracht, nachdem sie zuvor ihrer Wohnungen und ihres Eigentums beraubt worden waren. Eingerichtet wurde das Deportationslager in einem heute nicht mehr existenten Nebenflügel des Klosters der Barmherzigen Schwestern, der dazu von der „Arisierungsstelle” zwangsweise requiriert worden war. Über 500 Jüdinnen und Juden wurden von der Clemens-August-Straße aus deportiert - fast immer in den Tod.
Seit Juli 1987 erinnert ein Mahnmal an das Schicksal dieser Menschen. Ein Jahr später etablierte die Friedensgemeinschaft Berg am Laim - ein Zusammenschluss von Bezirksausschuss 14, Bürgerkreis Berg am Laim, Kirchengemeinde Sophie Scholl, Pax Christi Gruppe St. Michael Berg am Laim, Münchner Volkshochschule, Trägerverein Kulturbürgerhaus Berg am Laim sowie engagierten Bürgern - ein jährliches Gedenken im November. In diesem Jahr steht die erste, von München ausgehende Deportation jüdischer Menschen im November 1941 im Mittelpunkt: Von den etwa 1000 Jüdinnen und Juden, die im Zuge dieser Deportation im litauischen Kaunas ermordet wurden, stammten 85 aus dem Durchgangslager Berg am Laim.
Der Historiker Erich Kasberger, der seinerzeit als Geschichtslehrer am Michaeli-Gymnasium das Gedenken in Berg am Laim maßgeblich mitinitiierte, wird in einem Vortrag an die Menschen und ihr Schicksal erinnern. Zudem wird Steven Beschhofer, Gemeinderat der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom, ein Grußwort des Präsidenten der Gemeinde, Prof. C. Bernd Sucher, verlesen und einen Bezug zum aktuellen jüdischen Leben in München herstellen. Für die musikalische Umrahmung sorgt das Tizian-Jost-Trio, das Stücke von im Nationalsozialismus verfolgten Jazzmusikern interpretiert und kommentiert.
Wie jedes Jahr findet im Anschluss ein Lichtergang zum Mahnmal für die Opfer aus dem Berg am Laimer Sammellager statt. Das Mahnmal steht seit 1987 nahe der Pfarrkirche St. Michael, am Ende der Clemens-August-Straße, und damit an der Stelle, an der sich einst der Nordflügel des Klosters befand, in dem Jüdinnen und Juden unter unwürdigen Bedingungen leben und Zwangsarbeit leisten mussten. Die Klosterschwestern waren von den Machthabern gezwungen worden, die Internierung der Juden in ihrem Haus zuzulassen. Der Kontakt zu den Lagerinsassen war ihnen streng untersagt - dennoch halfen die Schwestern Berichten zufolge den Inhaftierten, wo sie konnten.