„Grüß Gott“ sagt Pinky, wenn jemand den Raum betritt. Ein freundlicher Gruß, den die Rosakakadu-Dame vermutlich schon seit Jahrzehnten beherrscht. Doch als die Tierschutzinspektion des Tierschutzvereins München sie Anfang September aus einem Seniorenheim in Grünwald abholt, wirkt er wie ein Hilferuf. Der Körper des Vogels ist bis auf Kopf und Flügel nahezu nackt, der Käfig viel zu klein und stark verschmutzt. Seit mindestens 30 Jahren lebt das hochsoziale Tier zudem ohne Artgenossen – in völliger Isolation.
Dabei hatte die Nachricht, die den Tierschutzverein erreichte, zunächst wenig dramatisch geklungen: Eine schwer demenzkranke Bewohnerin könne sich schon länger nicht mehr um ihren Papagei kümmern. Inzwischen sei die Geruchsbelästigung erheblich, das Tier müsse deshalb möglichst schnell weg. Fotos der Haltung ließen jedoch sofort die Alarmglocken schrillen. Der Tierschutzverein schaltete das Veterinäramt ein, das Pinky aufgrund massiver Tierschutzverstöße sicherstellte.
Besonders fassungslos macht die Tierschützerinnen und -schützer, dass offenbar nicht Pinkys Zustand den Ausschlag dafür gab, Hilfe zu holen, sondern der zunehmende Geruch. Kurz zuvor war der nahezu unbefiederte Vogel mitsamt Käfig sogar in den Garten gebracht worden – der Witterung nahezu schutzlos ausgesetzt. Erst Hausmeister holten Pinky zurück ins Gebäude.
„Ein derart desolater Zustand entsteht nicht über Nacht“, sagt Lydia Schübel, Leiterin der Tierschutzinspektion. Der Verein sieht deshalb nicht nur die Einrichtung in der Verantwortung, sondern auch Betreuung und Angehörige. Wenn ein Mensch aufgrund einer Erkrankung die Versorgung seines Tieres nicht mehr gewährleisten kann, ist sein Umfeld gefragt.
Pinkys Leidensgeschichte begann allerdings schon viel früher. Papageien sind hochsoziale Vögel, die engen Kontakt zu Artgenossen benötigen. Ein Mensch kann diesen nicht ersetzen. Mindestens drei Jahrzehnte musste Pinky dennoch allein verbringen.
Im Münchner Tierheim zeigt sie sich nun schwer traumatisiert und von der völlig neuen Umgebung überfordert. Ihre Pflegerinnen und Pfleger geben ihr vor allem Zeit, Sicherheit und Ruhe. Die Hoffnung ist groß, dass ihr Gefieder nachwächst, mit der Zeit auch ihre seelischen Wunden heilen und noch viele glückliche Jahre vor ihr liegen.
Und wenn jemand ihren Raum betritt, begrüßt Pinky ihn noch immer mit den Worten „Grüß Gott.“ Jetzt hoffentlich nicht mehr als Hilferuf.
Mit einer Spende helfen Sie uns, Pinky und anderen Tieren in Not die medizinische Versorgung, Pflege und Zeit für einen Neuanfang zu geben”, so der Tierschutzverein München. Weitere Infos zu Spendenmöglichkeiten gibt es unter www.tierschutzverein-muenchen.de.