Veröffentlicht am 29.06.2026 11:42

Vor über 2700 Zuschauern: FC Mainaustraße bestreitet Testspiel im Olympia-Skistadion

Ungewöhnliche Kulisse für ein Fußballspiel: Der FC Mainaustraße aus München (blau) traf im Olympia-Skistadion Garmisch-Partenkirchen auf den Polizei SV Braunschweig. (Foto: bas)
Ungewöhnliche Kulisse für ein Fußballspiel: Der FC Mainaustraße aus München (blau) traf im Olympia-Skistadion Garmisch-Partenkirchen auf den Polizei SV Braunschweig. (Foto: bas)
Ungewöhnliche Kulisse für ein Fußballspiel: Der FC Mainaustraße aus München (blau) traf im Olympia-Skistadion Garmisch-Partenkirchen auf den Polizei SV Braunschweig. (Foto: bas)
Ungewöhnliche Kulisse für ein Fußballspiel: Der FC Mainaustraße aus München (blau) traf im Olympia-Skistadion Garmisch-Partenkirchen auf den Polizei SV Braunschweig. (Foto: bas)
Ungewöhnliche Kulisse für ein Fußballspiel: Der FC Mainaustraße aus München (blau) traf im Olympia-Skistadion Garmisch-Partenkirchen auf den Polizei SV Braunschweig. (Foto: bas)

Es war wohl das ungewöhnlichste Spiel des Fußballsommers: Der Münchner Amateurverein FC Mainaustraße traf auf den Polizei SV Braunschweig - im Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen, vor über 2700 Zuschauern.

Sportlich ist die Geschichte des Freundschaftsspiels schnell erzählt. Bei Temperaturen von 36 Grad war kein offener Schlagabtausch zu erwarten. Beide Mannschaften mussten mit ihren Kräften haushalten, immer wieder wurde die Partie für Trinkpausen unterbrochen. Letztlich siegte der FC Mainaustraße aus der Münchner A-Klasse (10. Liga) gegen den auf ähnlich niedrigem Niveau spielenden Polizei SV Braunschweig mit 3:1.

Die besondere Geschichte dieses Spiels ergibt sich durch den Ort des Geschehens. Das für die Winterspiele 1936 erbaute OIympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen ist vor allem durchs Skispringen bekannt, wie die alljährliche Vierschanzentournee. Der Fußball rollt auf dem grünen Rasen direkt unterhalb der Schanzen sehr selten - regelmäßig war das nach Kenntnis der Redaktion zuletzt Mitte der 1970er-Jahre der Fall, als der SC Eibsee Grainau zeitweise seine Heimspiele in dem denkmalgeschützten Areal austrug.

Genau das macht das OIympia-Skistadion so reizvoll für Groundhopper - Menschen, die Fußballplätze und Stadien „sammeln”. Dafür reicht eine Stadionbesichtigung nicht aus: Man muss schon ein Fußballspiel darin sehen, um ein Stadion in die persönliche Trophäensammlung aufzunehmen. Das ist nun kein größeres Problem in der Allianz Arena oder im Grünwalder Stadion, schon deutlich schwieriger im Dantestadion oder Münchner Olympiastadion (hier machte sich einst Türkgücü München beliebt in der Szene...), aber quasi unmöglich bei Anlagen wie dem OIympia-Skistadion.

Fußballspiele auf seltenen Plätzen

Unmöglich? Nicht für den Polizei SV Braunschweig: Der Breitensportverein hat sich darauf spezialisiert, Fußballspiele auf Plätzen auszutragen, an denen das runde Leder ansonsten nicht oder nicht mehr rollt. Von einer alten Radrennbahn in Bielefeld über den Sportplatz auf Helgoland bis zu verfallenen Stadien in England hat der Polizei SV bereits mit so mancher Testpartie die Groundhopper-Szene beglückt. Nun ging es für die Niedersachsen in den äußersten Süden der Bundesrepublik. Um im Olympia-Skistadion regelkonform spielen zu können, musste extra das Spielfeld mit einem Stück Hybridrasen verlängert werden. Die Enthusiasten vom Polizei SV warben im Vorfeld in den sozialen Medien, druckten Eintrittskarten, erstellten ein Programmheft und kümmerten sich um die Verpflegung der Zuschauer, etwa mit kostenlosen Wasserstationen.

Zuschauer aus ganz Deutschland

Zahlreiche Groundhopper aus ganz Deutschland und sogar anderen Ländern wie Österreich, der Schweiz oder Tschechien kamen trotz sehr heißer Temperaturen nach Garmisch-Partenkirchen, um das Testspiel zu sehen. Über 2000 Karten waren im Vorfeld verkauft worden. Als offizielle Zuschauerzahl gab der Polizei SV nach dem Spiel 2713 an - mehr als bei manchem Spiel der 3. Liga. In die Groundhopper-App „Futbology” trugen über 1650 Nutzer ein, vor Ort gewesen zu sein. Ein englischer Groundhopper aus der Nähe von London schaffte es nach eigenen Angaben sogar, das Olympia-Skistadion als 1000. Ground (also besuchten Fußballplatz) abzuhaken. Und auch die markanten Sprungschanzen wurden ins Rahmenprogramm einbezogen: Vor dem Anpfiff rollten die Spielbälle die Schanze hinunter, in der Halbzeitpause gab es eine Vorführung von Skispringern - wobei nach einem Sturz der Notarzt ausrücken musste.

Mittendrin in diesem ungewöhnlichen Fußballfest war der FC Mainaustraße aus München-Aubing. Der aus einer Fußballmannschaft von jungen Geflüchteten entstandene Verein spielt seit 2019 in den unteren Münchner Fußballligen um Punkte - vor durchschnittlich 40 Zuschauern. „Die Kulisse war Wahnsinn: die Anlage, die Schanze, die Berge. Kaum einer unserer Spieler war bisher in den Bergen”, sagt der Vorstand des FC Mainaustraße, Stefan Lenz. Die Mannschaft besteht durchweg aus Spielern afrikanischer Herkunft.

Um den Teambus nach Garmisch zu bezahlen, will der Verein laut Lenz die Prämie aus dem mit 7000 Euro dotierten Julius-Hirsch-Preis verwenden. Den Preis hatte der FC Mainaustraße im Herbst 2025 erhalten, womit die DFB-Kulturstiftung die Integrationsarbeit würdigte. Denn der FC Mainaustraße gibt den Spielern nicht nur eine sportliche Heimat, sondern hilft ihnen auch bei Behördengängen sowie der Arbeits- und Wohnungssuche. BFV-Präsident Christoph Kern nannte den Münchner Verein eine „Erfolgsgeschichte für soziales und gesellschaftliches Engagement“.

Für Toleranz und gegen Hass

„Mehr als 2000 Leute haben gesehen, wie wir als Team auftreten und wie talentiert die Spieler sind. Wie sie offen auf Zuschauer zugingen und sich mit kleinen Kindern abklatschten”, erzählt Stefan Lenz: „Es wäre schön, wenn aus dem geflüchteten Fußballer nun der Sportler wird. Wenn das ›Flüchtling‹ nicht mehr dominiert und der Sportler in den Vordergrund tritt.” Denn es gab einen weiteren wichtigen Aspekt des Testspiels: Beide Mannschaften traten für Toleranz ein, positionierten sich deutlich gegen Hass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Wohlgemerkt, an einem historisch belasteten Ort - schließlich fanden die Olympischen Winterspiele von Garmisch-Partenkirchen 1936 während des Nationalsozialismus statt.

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