Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) und der BUND Naturschutz (BN) kritisieren das Konzept für den Landschaftspark Freiham. In einer gemeinsamen Presseerklärung betonen Katharina Spannraft (LBV) und Maximilian Mühlbauer (BN): „Im aktualisierten Plan für den Park spielen echter Naturschutz, Biodiversität und Naturerlebnis keine Rolle mehr, es ist alles der Freizeitnutzung untergeordnet.” Zwar seien der Klimaschutz berücksichtigt worden, aber die Naturflächen, die vorgesehen waren, fehlten leider.
Nur wenige hätten die Verabschiedung des neuen Strukturkonzepts für den Landschaftspark durch den Stadtrat Ende Januar so richtig mitbekommen. Im Bauausschuss war einstimmig entschieden worden, die 2016 abgesegneten Pläne für den Park zu verwerfen. „Diese waren basierend auf einem Wettbewerb mit starker Einbindung von Verbänden, Bürgerinnen und Bürgern entstanden. Zu den maßgeblichen Anforderungen des Wettbewerbs gehörten 'naturnahe Flächen', um neben dem Freizeit- und Erholungsaspekt auch den in der Bürgerbeteiligung gewünschten Naturerlebnisraum zu schaffen”, erklärt Katharina Spannraft, stellvertretende Geschäftsführerin beim LBV München.
Noch im Bebauungsplan von 2018 habe es geheißen: Der Landschaftspark soll ein vielfältig nutzbarer Freiraum werden, der ein besonderes Naturerlebnis in der Stadt ermöglicht und so wesentlich zur Identität des neuen Stadtquartiers Freiham beiträgt. Folgerichtig war Naturschutz ein zentrales Thema im verabschiedeten Gewinnerkonzept, in dem Magerwiesen sowie heimische Sträucher und Gehölze als Lebensraum für Tiere und Pflanzen genauso vorgesehen waren wie eine Vernetzung mit umliegenden Schutzgebieten und Biotopen. „Heute sind die Ideen des kostenintensiven Wettbewerbs ganz vom Tisch”, sagt Mühlbauer.
Nach Meinung von Spannraft und Mühlbauer wird somit eine große Chance vertan: Ökologisch wertvolle Flächen waren ursprünglich geplant, um neben einem Erholungs- und Freizeitangebot auch einen Naturerlebnisraum für Bewohnende zu schaffen. Das 60 Hektar umfassende Areal wäre die letzte Möglichkeit dieser Größenordnung gewesen, in der stark versiegelten Landeshauptstadt ein solches Projekt auch im Sinne des Naturschutzes umzusetzen: Neue Lebensräume hätten geschaffen werden können, um dem Artensterben aktiv zu begegnen.
Nach der kürzlichen Verabschiedung im Stadtrat soll der Landschaftspark Freiham in kleinen Stückelungen bis ins Jahr 2040 umgesetzt werden. Im Fokus stehen Erholung, Gastronomie und Schatten mit Bäumen, breiten Wegen, wenigen Wiesenbereichen und zwei Badeseen. Ein dritter Badesee soll in der Nähe des Parks westlich der verbreiterten Autobahn entstehen. Während Klimaschutz stattfindet, bleiben Natur- und Artenschutz auf der Strecke. „Dabei gehört Artenschutz neben der Klimakrise zu den größten Herausforderungen unserer Zeit, die zusammen und langfristig gedacht werden müssen – und nicht nur von Haushaltsplan zu Haushaltsplan”, meint Mühlbauer, Experte für Planungsverfahren und Stadtökologie beim BN München.
Sträucher und Hecken als Lebensräume für viele Insekten- und Vogelarten kämen im neuen Plan nicht mehr vor, die Flächen für Blühwiesen seien deutlich geschrumpft. „Und was ganz besonders fehlt: Eine Beteiligung der Öffentlichkeit”, moniert Katharina Spannraft. „Im neuen Antrag steht, die Bedürfnisse hätten sich geändert – dabei wurden sie überhaupt nicht abgefragt.”
Der LBV und der BN München richten sich nach eingehender Analyse des neuen Konzepts mit einer klaren Forderung an den Stadtrat: Naturschutz dürfe nicht zur Nebensache werden. Im Landschaftspark Freiham müssten Ökologie, Naturerfahrung und Erholung zusammengebracht werden.