Veröffentlicht am 04.02.2026 16:22

Kinder- und Familienarmut: „Wegsehen hilft niemandem – Hinschauen verändert Leben“

Beim Netzwerk-Format „Caritas Sozialspaziergang“ entstanden wertvolle Anstöße für Strategien gegen Armut und für bessere Bildungschancen (von links): Vorständin der Caritas München-Freising Gabriele Stark-Angermeier, SkF-Geschäftsführerin Bettina Nickel, Caritasdirektor Hermann Sollfrank, SkF-Vorstandsvorsitzende Heidi Rösler, Vorstand der Caritas München-Freising Thomas Schwarz. (Foto: Marcus Schlaf/Caritas München-Freising   )
Beim Netzwerk-Format „Caritas Sozialspaziergang“ entstanden wertvolle Anstöße für Strategien gegen Armut und für bessere Bildungschancen (von links): Vorständin der Caritas München-Freising Gabriele Stark-Angermeier, SkF-Geschäftsführerin Bettina Nickel, Caritasdirektor Hermann Sollfrank, SkF-Vorstandsvorsitzende Heidi Rösler, Vorstand der Caritas München-Freising Thomas Schwarz. (Foto: Marcus Schlaf/Caritas München-Freising )
Beim Netzwerk-Format „Caritas Sozialspaziergang“ entstanden wertvolle Anstöße für Strategien gegen Armut und für bessere Bildungschancen (von links): Vorständin der Caritas München-Freising Gabriele Stark-Angermeier, SkF-Geschäftsführerin Bettina Nickel, Caritasdirektor Hermann Sollfrank, SkF-Vorstandsvorsitzende Heidi Rösler, Vorstand der Caritas München-Freising Thomas Schwarz. (Foto: Marcus Schlaf/Caritas München-Freising )
Beim Netzwerk-Format „Caritas Sozialspaziergang“ entstanden wertvolle Anstöße für Strategien gegen Armut und für bessere Bildungschancen (von links): Vorständin der Caritas München-Freising Gabriele Stark-Angermeier, SkF-Geschäftsführerin Bettina Nickel, Caritasdirektor Hermann Sollfrank, SkF-Vorstandsvorsitzende Heidi Rösler, Vorstand der Caritas München-Freising Thomas Schwarz. (Foto: Marcus Schlaf/Caritas München-Freising )
Beim Netzwerk-Format „Caritas Sozialspaziergang“ entstanden wertvolle Anstöße für Strategien gegen Armut und für bessere Bildungschancen (von links): Vorständin der Caritas München-Freising Gabriele Stark-Angermeier, SkF-Geschäftsführerin Bettina Nickel, Caritasdirektor Hermann Sollfrank, SkF-Vorstandsvorsitzende Heidi Rösler, Vorstand der Caritas München-Freising Thomas Schwarz. (Foto: Marcus Schlaf/Caritas München-Freising )

Kinder sind arm, weil ihre Eltern arm sind. Für München heißt das: 37 Prozent der Alleinerziehenden in der Stadt leben in relativer Armut, 35 Prozent der Haushalte mit mehr als drei Kindern gelten als armutsgefährdet (Armutsbericht München 2022). Die Folgen für betroffene Familien sind gravierend – weniger Bildungschancen, weniger Teilhabe, weniger Zukunftsperspektiven. Und das mitten in einer Stadt, die für Wohlstand und eine starke bürgerliche Mitte steht. Beim „Caritas Sozialspaziergang” zum Thema Kinder- und Familienarmut machte Caritasdirektor und Vorstandsvorsitzender Prof. Hermann Sollfrank klar: „Wir müssen versteckte Armut aufdecken. Nur wenn wir sie sichtbar machen, können wir den Teufelskreis durchbrechen. Wegsehen hilft niemandem – Hinschauen verändert Leben.“

Berührende Einblicke

Das dialogorientierte Kommunikationsformat führte Journalistinnen und Journalisten, Politikerinnen und Politiker sowie Fachleute aus Behörden und Sozialverbänden an Orte, an denen Armutsprävention und konkrete Unterstützung sichtbar werden. Gemeinsam mit Einrichtungen des Caritasverbands sowie dem Sozialdienst katholischer Frauen München e. V. (SkF), der ein geschätzter Fachverband in unserem Spitzenverband ist, erhielten die Teilnehmenden konkrete und sehr berührende Einblicke in Lebenslagen armutsbetroffener Familien in München.

Erziehungsberatung und Familienzentrum als Ankerpunkte

Die Beratungsstelle für Eltern, Kinder, Jugendliche und Familien Obersendling ist eine Einrichtung, die Betroffenen Stabilität und Orientierung bietet. Die Caritas baute bereits in den 1950er Jahren ihre erste Erziehungsberatung im Münchner Süden auf – in Zusammenarbeit mit dem Münchner Stadtjugendamt. Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier betonte: „Hier, im Stadtbezirk 19, in dem Wohlstand, bürgerliche Mitte und soziale Herausforderungen aufeinandertreffen, wird besonders deutlich: Familien mit ihren Kindern und Jugendlichen brauchen verlässliche Orte und Menschen, die sie professionell, zugewandt und urteilsfrei unterstützen. Und vor allem brauchen Kinder und Jugendliche Orte, an denen ihre Bedürfnisse wirklich gesehen und gehört werden.“

Nur wenige Gehminuten weiter liegt das Familienzentrum am Südpark, ein niedrigschwelliger Begegnungsraum für Familien. Caritas-Vorstand Thomas Schwarz formulierte das Konzept so: „Komm wie du bist.“ Der Ort wirke gemütlich und einladend, doch seine eigentliche „Superkraft“ sei eine andere: „Die Mitarbeitenden im Familienzentrum hören den Menschen zu, geben Halt und Unterstützung und schaffen einen Raum, an dem sie, gerade auch mit ihren Kindern, willkommen sind.“

Impulse für politische Entscheidungen

Die Veranstaltung bot Raum für Vernetzung und direkten Austausch zwischen Medien, Politik und Fachkräften. Das Feedback der Gäste fiel durchweg positiv aus: Viele nahmen konkrete Impulse für strategische Entscheidungen zur Armutsprävention und zur Förderung von Bildungsgerechtigkeit mit. Zum Abschluss betonte Prof. Sollfrank: „Armut ist kein Schicksal – wir können handeln.“

Mit existenziellen Sorgen kämpfen

Heidi Rösler, Vorstandsvorsitzende des SkF München e. V., wies auf die besondere Belastung bestimmter Familienformen hin:
„Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern kämpfen besonders oft mit existenziellen Sorgen – gerade in Ballungsräumen wie München. Dennoch finden diese Fakten in der familienpolitischen Entwicklung bisher zu wenig Gehör.“ Der SkF zeige mit präventiven Angeboten wie Schwangerenberatung oder Patenschaften sowie mit Interventionen wie der Straffälligenhilfe, wie wirksame Unterstützung aussehen könne.

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